Aus dem Unterholz der Dummheit – Kapitel 6

Liebe Leserinnen und Leser,

vorneweg:
Die Frage, was es mit dem Unterholz der Dummheit denn bitte schön auf sich haben könnte, ist einfach zu stellen. Zigfach, jeden Tag. Sie zu beantworten, ist indes kein Kinderspiel. Immerhin müssen wir dafür einen Abstecher nach Indien machen. Aber keine Sorge: Sie sind in meiner Obhut, und diese Reise liefert uns neben der Antwort und diesem sechsten Kapitel auch gleich noch einen satten Hieb und einen tiefen Stich für die hieb- und stichfeste Probe der Antwort selbst. Sollten Sie zudem auch noch zum wenig erlesenen Kreis der Raucher oder Pfeifenraucher gehören, dürfen Sie sich freuen, denn dann bekommt die indische Erkenntnis überdies eine erhellende und – erfreulicherweise – auch rauchige Note.

Für diesen Reisebericht genügt es voll und ganz, wenn Sie neben

  • einem Cocktail-Schirmchen für die Monsuntage und
  • einem versteinerten Lächeln aus 1000 und einer Nacht

noch folgende indiengetränkte Vorabantwort in Ihrem Gepäck verstauen: „Das Unterholz der Dummheit ist immer dann der Wohnort größtmöglichen Komforts, wenn das Leben seiner Mündigkeit – als einem Ausdruck der eigenen Vernunft – hie und da keinen Platz mehr im Leben selbst einräumen mag.“

Es folgt nun – aus einer anscheinend unmündigen Zeit:

Aus dem Unterholz der Dummheit – Kapitel 6

Kommen wir zuerst zum Hieb:
Der Stehempfang des untersetzten Hoteldirektors französischer Abstammung ist in Anbetracht des Glanzes, in dem „empfangen“ wird, eine eher ärmliche Pracht; immerhin sind wir in einem der besten Häuser am Mumbaier Platze. Noblesse soweit die Sinne reichen. Und bei einem Franzosen in dieser Position hätte man das „Oblige“ doch erwarten dürfen, aber es gibt nur magere Häppchen, totes Wasser und indischen Singsang. Davon aber reichlich.

„Aber ich will mal nicht so sein! Schließlich bin ich nur Gast.“

Die Aufgabe des breit lächelnden Direktors mit rahmenloser Brille und einer akkurat polierten Glatze habe ich für diesen Abend nach wenigen Augenblicken erfasst: Er hat keine! Und dass ich wegen eines Raucherzimmers, das ich nicht bekommen habe, bei ihm eine kleine Beschwerde vorbringen möchte, ahnt er nicht. Wie ich zur Ehre dieser Einladung gelangt bin? Dazu später mehr.

Ob es nun die fehlende Kurzweil oder meine pure Anziehungskraft als Mensch ist, die das Hoteloberhaupt in meine ausgebreiteten Arme treibt, weiß ich nicht.

„Dass mir nachher nur niemand behauptet, ich hätte ihm nachgestellt.“

Le directeur baut sich in einem hellgrauen Zweireiher vor mir auf. Das ist auch nötig, denn seine Körpermaße erinnern eher an einen Baumstumpf als an einen Fremdenlegionär. Er streckt mir seine Hand entgegen, die ich beherzt ergreife, und er eröffnet unsere Konversation. Gekonnt.

„Mal sehen, wie sich das entwickelt.“

Le directeur (mit starkem französischem Akzent): „Welcome! How is your stay?”

Er lächelt. Ich bin froh, da er jetzt doch eine Aufgabe hat.

Ich (lächle zurück, nicke ihm sogar zu): „Good. Thank you.“

Ich: „Soll ich gleich loslegen?“
Ich: „Noch nicht! Lass uns schauen, was er zu erzählen hat.“
Ich: „Aber lange kann ich nicht warten.“

Ich (trete einen Schritt auf ihn zu): „Where are you coming from?“

Ich: „Ich danke dir! Du bist ein Schatz!“
Ich: „Oh wie ich diesen Smalltalk hasse!“
Ich: „Ich liebe dich dafür.“
Ich: „Lass mal stecken.“
Ich: „Nein, im Ernst. Das ist ein feiner Zug.“
Ich: „Nur wegen dir.“

Le directeur (mit einem Ausdruck routinierter Freude): „Reims! En France!“

Ich (das kann ich auch): „C’est pas vrai? I know this city. I was there 30 years ago. Wonderful church! ”

Le directeur (wie aus der kleinen Pistole geschossen): „A cathedral!”

Ich (mit schusssicherer Weste): „Of course, a very big one!”

Le directeur (lacht falsch auf – der französische Schlingel – hebt den Zeigefinger): „But not the biggest!“

„Na, der hat’s ja nötig. Prahlt mit seiner Kathedrale. Ein guter Zeitpunkt für einen subtilen Baumstumpf-Scherz.“

Ich (nicke – von oben nach unten): „Size is only a question of perspective, isn’t it?“

Mein Gegenüber wiegt den Kopf von links nach rechts und zurück.

„Der Typ ist schon ein paar Jahre zu lange in Indien.“

Le directeur (lächelt wieder): „Is it your first trip to India?“

Ich: „Ich denke, dass das jetzt reicht.“
Ich: „Meinetwegen!“
Ich: „Mir wird schon ganz schlecht von diesem Gelaber.“

Ich (lächle noch etwas breiter): „No, the fifth or sixth one, but tell me please, is it really true that you have reduced the number of smoking rooms in your hotel?”

„Das war schnörkellos.”

Le directeur (wiegt immer noch): „Why do you ask?”

Ich (ganz beiläufig): „One of your front desk managers talked about it yesterday.”

Le directeur (nickt jetzt): „Yes, yes. The number of smoking guests has been declining permanently over the last years.”

„Das ist ja interessant.“

Ich (lege die Fingerspitzen aneinander): „I see, I see!”

Le directeur (wiegt wieder, als würde er sich selbst zustimmen): „We have always to adapt our business accordingly.”

Ich (falte die Hände): „Really?”

Le directeur (ganz der Chef): „Yes, but please, why do you ask?”

Ich (ganz der Gast): „Do you know what happened yesterday evening, when I arrived?”

Le directeur (hält den Kopf an, lächelt aber weiter): „No, let me know.”

Ich (entfalte die Hände): „Your front desk manager told me that he would have six people on a list, waiting for a smoking room.”

Le directeur (hält jetzt auch das Lächeln an): „A list?”

Ich (beuge mich vor, flüstere): „A confidential one, he told me.”

Le directeur (zieht ein Taschentuch aus dem anscheinend sehr tiefen Hosensack, muss sich dazu vorbeugen): „I’ve never heard anything about a list.”

„Hatte er das Ding im Strumpf stecken?“

Ich (reibe sanft meine Hände aneinander): „Like I said: confidential!“

„Das wird ein Spaß.“

Le directeur (tupft sich die Stirn mit dem blendendweißen Stoffviereck): „And what was on the list?”

Ich (beuge mich wieder vor, als würde ich ihm ein Geheimnis anvertrauen): „Guests, waiting for a smoking room, your front desk manager told me.“

Le directeur (wischt sich jetzt die Platte, lacht wieder ein falsches Lachen): „I can’t believe this.“

Ich (reibe noch, mit gespielter Entrüstung): „You should. He showed me the list!“

Le directeur (tupft die Stirn nach): „An exception. For sure.“

„Ich geb Dir gleich eine Ausnahme, mein kahlköpfiger Freund!“

Ich (beuge mich erneut vor): „Mais, il fait une liste comme ça chaque soirée, il m’a dit!“

Ich: „Du bist ein Fuchs.“
Ich: „Warum?“
Ich: „Die Nummer mit dem Französisch.“
Ich: „Ich will ihm nur eine Brücke bauen.“
Ich: „Brücke! Pah! Dass ich nicht lache.“
Ich: „Und wenn er mich nochmal anlügt, nehm ich ihm sein Taschentuch weg und stopf es ihm in den Hals.“
Ich: „Halt dich zurück!“

Le directeur (steigt nicht auf mein französisches Angebot ein, aber lacht wie ein Teppichhändler auf einem arabischen Suk): „I wanted to say that our hotel must be an exception. Not this äh stupid list. People in this city smoke too much.”

„Na warte! Jetzt lügt der schon wieder.“

Ich (reibe noch ein bisschen die Hände): „He promised to put me as number one on the list.”

Le directeur (entfaltet das Taschentuch): „I have to check this.”

Ich (lasse einen meiner Fingerknöchel knacken): „Monsieur le directeur, last week I stayed in Delhi, in another hotel of your group and what can I say: They had also a front desk manager.”

Le directeur (etwas ungehalten, knäult das Taschentuch zusammen): „Every hotel has its…”

Ich (unterbreche ihn lächelnd): „Wait, wait – and in Delhi they showed me also such a funny – very confidential – list.”

„Mal sehen, wie er das verkraftet.”

Le directeur (zieht den Fetzen wieder in die Breite): „Did you make a reservation for a smoking room?“

Ich: „Jetzt geht er aber ran!“
Ich: „Er ist mit seiner Geduld gleich am Ende.”
Ich: „Das seh ich auch!“
Ich: „Überspann den Bogen nicht.“
Ich: „Mach ich schon nicht.“
Ich: „Wir wollen uns nur ein bisschen beschweren.“
Ich: „Und ein bisschen amüsieren!“

Ich (breite die Arme aus): „Of course not! I never make such reservations.”

Eine Zwittermimik übernimmt die Gesichtsmuskulatur meines Gegenübers. Linksseitig weiß Le directeur nicht, ob ich ihn auf den Arm nehme, rechtsseitig möchte er mir sagen, dass ich ja ziemlich blöd sein muss, wenn ich mir kein Raucherzimmer reserviere.

Ich (klopfe Le directeur auf den linken Oberarm): „I’m just kidding.“

Der Gute sieht aus, als wäre er jetzt endgültig aus der Bahn geflogen. Sein Verständnis scheint im freien Fall.

Le directeur (faltet das Taschentuch wieder): „May I suggest that you make a smoking room reservation next time?“

„Der hält mich für den totalen Vollidioten!”

Ich (strahle, was die Mundwinkel hergeben): „Not asking for a smoking room in advance, increases my chance dramatically to be put on the confidential list.”

Le directeur (tupft sich mit dem gefalteten Taschentuch den französischen Oberlippenbart): „Excuse me, there are other guests coming.“

„Hoffentlich ein paar militante Kettenraucher!”

Ich (schneide Le directeur den Weg ab): „And do you know what the biggest surprise in Delhi was?”

„Jetzt haut er mir gleich eine rein!”

Le directeur (steckt das Taschentuch wieder in den Strumpf, durch den Hosensack): „No idea.“

Ich: „Der hat die Schnauze voll.”
Ich: „Aber so was von.“
Ich: „Jetzt denkt er bestimmt, dass Le directeur ein Scheiß-Job ist.“
Ich: „Und er will uns eigentlich eine zentrieren.“
Ich: „Sollen wir ihn springen lassen?“
Ich: „Quatsch! Einer geht noch.“

Ich (habe fast Körperkontakt): „No smoking rooms available and ten guests on the list!”

Das Gesicht von Le directeur hat sich mit dem letzten Satz eine optische Zerrung zugezogen. Er fängt an, geistig zu humpeln.

„Wenn er mich endlich loshat, wird er erst mal rausgehen und eine rauchen. Garantiert!“

Le directeur (seine Hände irren ohne Taschentuch umher, er zieht es wieder hervor): „Hm!“

„Sein Lappen sieht feucht aus.“

Ich (mit großer Höflichkeit): „Please, could you do me a favour and explain this to me?”

Le directeur (zupft jetzt an einer Ecke seines nassen Lappens): „Sorry, I have to check this first, before I can comment on it.”

Ich (lasse einen zweiten Knöchel knacken): „Now you are kidding me!”

Le directeur (erste Fäden lösen sich aus dem Taschentuch): „Sorry?”

„Den lass ich so was von zappeln!“

Ich (lege den Kopf auf die Seite): „What do you want to check?”

Le directeur (hat sichtlich genug und das Taschentuch erst recht): „Look, my task is to make sure that our guests are happy.”

Mit diesen Worten entzieht sich der Gute meiner kleinen Daumenschraube und stellt sich den Gästen vor, die am Empfang auf ihn warten. Sein Lächeln ist breit wie eh und je.

Ich: „Das war’s?”
Ich: „Sieht so aus.”
Ich: „Echt jetzt?”
Ich: „Wir müssten ihm sein Taschentuch wegnehmen.“
Ich: „Lass uns lieber auf unser rauchfreies Hotelzimmer gehen und etwas für unsere Gesundheit tun.”

Ich verlasse die Szenerie.

Kommen wir zum Stich:
Mein Non smoking-Hotelzimmer empfängt mich mit Festbeleuchtung. Alles, was Lampe ist, flammt aufs Äußerste auf. Selbst der üppige Flachbildschirm erwacht zum Leben. Als ich mich – erschöpft von Le directeur, seinen Belanglosigkeiten, seinen Halbwahrheiten und seinem Taschentuch – aufs Bett setze, begegnet mir ein alter Bekannter, unvermittelt: Bruce Willis!

„Wie schön, das baut mich jetzt auf!“

Bruce ist in einer seiner üblichen Rollen: coole Sprüche, große Knarren. Alles, was eine geschundene Männerseele nach einem solchen Abend braucht. Das Gute an solchen Filmen: kein Warmlauf nötig. Der Einstieg ist an allen Stellen gleich. Für diese Geschichten braucht es kein Lexikon.

„Vielleicht aber auch nur, weil ich diesen Streifen schon an die zwanzig Mal gesehen habe.“

Als ich meine Schuhe abstreife, kommt eine meiner Lieblingsszenen: Bruce kämpft mal wieder gegen zwei Dutzend Terroristen. Gleichzeitig. Allesamt ausgebildete Einzelkämpfer und alle mindestens zwei Meter groß. Gegen Bruce haben sie keine Chance. Was dieser Teufelskerl nicht mit seinen nie nachzuladenden Waffen erledigt, haut er mit bloßen Fäusten und unangespitzt in jeden Boden. Als der letzte Gegner niedergestreckt vor ihm liegt und auf dem Teppich farbenfroh verblutet, zieht er ihm ein Päckchen filterlose Zigaretten aus der Hemdbrusttasche, schaut auf das Etikett, tritt dem Fiesling noch mal richtig in die Seite, rügt ihn, dass diese Sorte viel zu stark für ihn sei, lässt sich matt vom Kampf auf einen Hocker nieder und klopft eine der Fluppen aus der Schachtel.

„Der Glückliche! Er sitzt in einem Smoking Room.“

Die Kamera zoomt auf. Unzählige Terroristen liegen Bruce zu Füßen. Er entzündet ein Streichholz und führt die Flamme an die Spitze seiner Zigarette. Mitten auf dem Schlachtfeld. In der linken Bildschirmmitte erscheint plötzlich ein Schriftzug: ‚Smoking kills‘.

Ich: „Das war noch nie in diesem Film!“
Ich: „Ganz sicher nicht!“
Ich: „Das muss ein Versehen sein.“
Ich: „Du meinst, die haben da ganz aus Versehen ‚Smoking kills‘ eingesetzt?
Ich: „Absicht wird es ja wohl nicht gewesen sein.“
Ich: „Weiß man‘s?“
Ich: „Hast du gesehen, wie viele Menschen in dieser Stadt im Matsch verrecken?“
Ich: „Und?“

Die Kamera schwenkt durch den Raum. Der Schriftzug verschwindet. Einer der Delinquenten zuckt noch. Bruce springt auf, die Kamera im Rücken. Er bewegt sich geschmeidig über das Gemetzel hinweg, bleibt stehen, die Kamera schwenkt um ihn herum, an seiner Seite hängt einer der Gegner nur noch in Fetzen über einem Polstersessel, die qualmende Zigarette steckt im Mundwinkel meines Helden. Da taucht diesmal in der rechten Bildschirmmitte wieder der Schriftzug auf: ‚Smoking kills‘.

Ich: „Die Inder werden doch wohl wissen, dass sie größere Probleme haben als das Rauchen.“
Ich: „Da bin ich mir nicht sicher.“
Ich: „Weiß es Le directeur?“
Ich: „Vielleicht ahnt er es.“
Ich: „Hier fahren ganze Familien auf einem Moped. Ohne Helm!“
Ich: „Das heißt gar nichts.“
Ich: „Hier gibt es arrangierte Hochzeiten auf Horoskop-Basis.“
Ich: „Und das noch viel weniger.“
Ich: „Aber dass die ihre heiligen Kühe den Müll auf offener Straße fressen lassen, das wird doch wohl zählen.“
Ich: „Ehrlich gesagt, glaube ich das nicht! Kannst du dich an das gestrige Frühstück erinnern?“

Bruce ist bei dem noch zuckenden Körper angelangt. Großaufnahme auf den Lauf seiner Pistole; man sieht das Mündungsfeuer, als er abdrückt. Was für eine coole Sau! Ich höre förmlich, wie die Kugel ihr Ziel erreicht. In jeglicher Hinsicht. Schnitt. Bruce nimmt einen tiefen Zug, und in der unteren Bildschirmmitte erscheint der Schriftzug ‚Smoking kills‘.

Ich: „Wie könnte ich das vergessen?“
Ich: „Wer ein Omelette so scharf zubereitet, dass einem schon nach zwei Bissen die Flammen aus dem Hals schlagen, der will doch nicht, dass es schmeckt.“
Ich: „Sondern?“
Ich: „Das Ziel ist, die Geschmacklosigkeit zu überdecken.“
Ich: „Versteh ich nicht!“
Ich: „Die Einblendung ist ein Ablenkungsmanöver!“
Ich: „Von was?“
Ich: „Hat dir der Singsang das Hirn ausgewaschen?“
Ich: „Ich versteh’s nicht.“
Ich: „Was gibt‘s da nicht zu verstehen? Die eröffnen einen Nebenkriegsschauplatz und alle schimpfen auf die Raucher. Wer schaut da noch auf Armut, Krieg, Alkohol, Krankheit oder die Helmpflicht?“
Ich: „Du meinst, dass…“
Ich: „Genau das meine ich. Die Amis schicken 19jährige mit Raketen zum Sterben nach Vietnam, lassen sie aber zwischen New York und San Francisco keinen Alkohol kaufen.“
Ich: „Eine Finte?“
Ich: „Da bin ich mir sicher!“
Ich: „Ein Feigenblatt?“
Ich: „Größer als das Weiße Haus und der Regierungspalast in Delhi zusammen.“
Ich: „Hat schon mal einer die Leichen gezählt, die um Bruce rumliegen?“
Ich: „Das muss ‚Shooting kills!‘ heißen.“

Die Ehre der Einladung
Das halten Sie auch dann im Kopf nicht aus, selbst wenn Sie ihn schon längst verloren haben. Es ist Spätnachmittag. Der Monsun fällt aus allen Wasserzisternen des Himmels auf die Limousine, in der ich sitze. Mein Platz im Fond dieses Gefährts ist weitgehend trocken und wohlig. Mumbai, das ehemalige Bombay, scheint hingegen ersaufen zu wollen. Die vier Stunden im Auto seit Pune – einer anderen Millionenstadt in Indien – sind vergangen wie im Flug: Ein paar abenteuerliche Manöver meines unerschrockenen Sikh-Stunt-Fahrers, ein paar hundert waghalsig turnende Halbaffen auf den vorbeisausenden Leitplanken am Autobahnrand, ein paar Wendemanöver von selbstmordverdächtigen Fahrern überlanger Schwerlastwagen und ein Regen aus restlos allen Schleusen des lilafarbenen Himmels sorgen für ein fast vergnügungssteuerpflichtiges Unterhaltungsprogramm. Die ersten Häuser tauchen nach einer langen Bergabfahrt vor uns auf.

Ich (aufgekratzt): „Are we arriving in Mumbai now?“

Mein Fahrer (mit gebrochenem Indisch-Englisch; eine Wohltat, wenn man bedenkt, dass bei diesem Berufsstand ‚Ziro-Inglisch‘ die Mindestanforderung ist): „Mumbai! Yes, Sir!“

„Wir schießen ein. In eine der größten Metropolen des Subkontinents.“

Als ein erstes Verkehrschaos – darin sind die Inder weltmeisterlich – uns zum Halten zwingt, fällt mein Blick auf den Straßenrand. Der Schlag auf meine Eingeweide ist roh und gewalttätig. Die Magensäfte spritzen mir fast aus den Ohren. Das Betrachten eines Armengürtels von Mumbai aus einer vorbeifahrenden Limousine spaltet mir den Verstand. Eine Entscheidung für oder gegen meine eigene Stumpfheit im Geiste, in der Seele und auch in meinem Herzen kann ich nicht mehr treffen. Sie überfährt mich. Beim ersten Anblick: Die Welt ist ein Fleck mit unendlich vielen Gesichtern. Einige davon sind fratzenhaft verzerrt. Sie sind grässlich. Brennen sich sofort ein. Unauslöschlich. Ich schließe die Augen. Ich kann es nicht sehen, aber ich muss sie wieder öffnen. Ich bin nicht vorbereitet, kann es nicht begreifen, wie sehr es mich trifft, wie sehr es mich abstößt, wie sehr es mich anzieht.

Ich kann nicht fassen, dass die Medienrealität so weit von der Realität dieser Welt entfernt sein kann. Bilder, wie sie schon 1000fach in den Filmkulissen Hollywoods an mir vorübergezogen sind, erschlagen mir den naiven Betrug meiner Ignoranz mit dem Hammer der Wirklichkeit.
Die Sprache hat es mir schon verschlagen, die Spucke ist mir schon weggeblieben, das Herz hat schon einen Schlag ausgesetzt und selbst mein Verstand hat sich schon der Angst, der Irrationalität, der Panik unterjocht.
Aber das hier reißt ein riesiges Loch unter mir auf und lässt mich im Boden des Unterholzes der Dummheit verschwinden. Es äschert mir meinen Glauben ein. Dass das gehen könnte, hätte ich nicht für möglich gehalten.

Eine Frau steht im strömenden Regen vor einer Blechhütte knöcheltief im Schlamm. Drei nackte Kinder kauern neben ihr und spielen mit zerdrückten Plastikflaschen, ein Hund zieht vor ihnen im Straßengraben vorbei. Sein Darm hat sich 20 Zentimeter nach außen gestülpt. Eine Ziege lugt verstört aus dem Inneren der Blechhütte, ein viertes Kind sitzt auf dem Arm der Frau. Ob es noch lebt, weiß ich nicht.

Ich: „Das ist…“
Ich: „Was?“
Ich: „Das ist eine…“
Ich: „Was? Tragödie? Schande? Katstrophe?“
Ich: „Ich weiß nicht.“
Ich: „Du bist doch sonst immer so ein Schlaumeier.“
Ich: „Keine Ahnung.“
Ich: „Und jetzt fällt dir nichts mehr ein?“
Ich: „Das ist zu viel für…“
Ich: „Hast du’s bald?“
Ich: „Ich weiß nicht, was ich sagen oder denken soll.“
Ich: „Was ist denn jetzt so schwer?“
Ich: „Keine Ahnung.“
Ich: „Willst du darüber sprechen?“
Ich: „Ich wüsste nicht was.“
Ich: „Na zum Beispiel, was gerade in dir vorgeht.“
Ich: „Ich wäre gerne ausgestiegen.“
Ich: „Was?“
Ich: „Ja, ich wäre gerne ausgestiegen!“
Ich: „Warum?“
Ich: „Keine Ahnung.“
Ich: „Welches Bedürfnis in drei Teufels Namen sollte dir das denn bitte schön befriedigen, wenn du dich selbst ins Elend stürzt.“
Ich: „Das Bedürfnis nach Nähe?“
Ich: „Im Wolkenbruch?“
Ich: „Ja, und im Matsch.“
Ich: „Bist du sicher, dass du es bist? Mein streitbarer Widersacher im Geiste? Meine zweite Stimme? Mein zweiter Blick? Mein zweites Ich?“
Ich: „Klar, bin ich’s. Keine Sorge, aber gleichzeitig habe ich noch jemanden in uns gesehen.“
Ich: „Wir sind drei?“
Ich: „Mindestens!“
Ich: „Und was verschafft uns diesen Zuwachs?“
Ich: „In uns ist etwas aufgegangen?“
Ich: „Eine Tür?“
Ich: „Keine Ahnung. Etwas, was bisher nicht da war. Ich habe es gespürt und gesehen.“
Ich: „Und was ist es?“
Ich: „Ein Verständnis. Ein Schmerz. Eine Reue. Eine Demut. Eine Angst. Eine Liebe. Eine Hoffnung.“
Ich: „Alles auf einmal?“
Ich: „Ja!“
Ich: „Sei mal einen Moment still. Du musst es fühlen.“

Mein Fahrer beschleunigt.

„Alles gibt es, aber keine Alternative.“

Als mein Fahrer vor dem Hotel anhält, und die indischen Sicherheitsbeamten wieder einmal geprüft haben, ob der Motor noch an der richtigen Stelle sitzt und ob das Gepäck richtig verstaut wurde, bin ich eine Erleuchtung reicher. Mein Herz ist ganz leicht, und mein Horizont fühlt sich an wie ausgepolstert.

Beim Auffahren zum Hotelportal dämmert mir, dass alles nur ein Feigenblatt sein könnte. Wenn man nichts ausrichten kann, dann lass es wenigstens so aussehen, als hätte man alles getan. Gegen die Armut sind wir doch machtlos, aber die Raucher können wir ausradieren. Eine irregeleitete Seele in das Unterholz der Dummheit zu bringen, hält sie davon ab, vor Scham aus dem Fenster oder aus Angst vor den Zug zu springen.

„Das nennt man Kontrolle der Massen!“

Das Hotel betrete ich in guter mentaler Verfassung. Orientalische Düfte aus allen Himmelsrichtungen, Bindi-Punkte auf exotischen Empfangsdamen und zuneigungsbedürftige Gepäckträger in hartweißen Uniformen empfangen mich mit Dauergrinsen und großer Namaste-Affinität – mehr als tausendundzwei Nächte hergeben können. Am Check-in-Schalter angekommen, bin ich kurz vor einem Muskelkrampf in meinen Backen. Mein Customer Manager heißt Richa. So steht es auf ihrem Namensschild.

„Neben einem König würde sie wie eine würdige Königin aussehen. Ganz sicher!“

Es ist aber der etwas kleingeratene Front desk Manager namens Manhattan, der mich anspricht, nicht Richa.

„Schade!“

Manhattan (ganz zartes Stimmchen): „You would like to check in, Sir?”

Ich (bereite schon mal meinen Pass und meine Kreditkarte vor): „No! I would like to check out first!”

Manhattan (seine Augen verbiegen sich zu einem kleinen Fragezeichen): „Sorry, Sir?“

Ich (genieße den Augenblick und strahle): „It‘s my normal behaviour. When I come into a hotel with all my luggage, I’d like to do my check out first!”

Manhattan (ein kleines Krächzen ist zu hören): „So, can I have your room number, Sir!“

Ich: „Lass den armen Kerl jetzt in Ruhe.“
Ich: „Verstehst du denn keinen Spaß mehr?“
Ich: „Richa und ich schon.“
Ich: „Ich habe eben gute Laune.“
Ich: „Darfst du ja, aber jetzt sei brav.“

Ich (lächle Manhattan frontal an): „I’m only joking.“

Manhattan (lächelt zurück): „Yes, Sir!“

Ich (Richa und ich lachen uns an): „Here are my passport and my credit card.“

Manhattan (zart wie eh und je): „You are booked on a non-smoking room, Sir.

Ich (das ist keine Musik für meine Ohren): „I would prefer a smoking room and this is acknowledged in my hotel confirmation . Look.“

Meine Buchungsbestätigung flattert auf den Schreibtisch vor ihm.

Ich: „Wenn er jetzt nicht spurt, gibt’s einen Satz heiße indische Ohren.“
Ich: „Deswegen haben indische Elefanten ja auch die kleineren Ohren.“
Ich: „Genau!“
Ich: „Und Manhattan hat schon kleine Ohren.“
Ich: „Genau!“

Manhattan (senkt seinen Blick auf den Resevierungsbildschirm, wichtiges Klackern der Tastatur begleitet seinen Blick): „I will do my best, Sir!“

„Jetzt ist es aber dann gut mit dem ‚Sir‘!“

Manhattan (zart, zarter geht nicht): „I have to apologize, Sir. There is no smoking room available.”

Ich (verfinstere mich etwas): “Good return, Manhattan. Now you are joking.“

Manhattan (schon mit einer unterwürfigen Note in der Zartheit): „No, no, Sir! All smoking rooms are booked!“

Ich (beuge mich ziemlich finster über den Tresen): „Is the hotel fully booked?“

Manhattan (die Zartheit setzt eine Bestmarke): „No, Sir. Only the smoking rooms are fully booked.“

„Das war die falsche Antwort, mein indischer Freund.“

Ich (bin jetzt sehr konzentriert): „Could you please check this again? It is my first check in in your wonderful hotel and we surely don’t want this ceremony to be disappointing. Yes?”

Manhattan beugt sich wieder über seine Tastatur und den Bildschirm. Richa ist im Hintergrund. Indien hat wirklich schöne Frauen.

„Von ihr hat nie jemand gesprochen.“

Manhattan (Nervosität meets Zartheit): „I double checked it, Sir. No smoking room, but if there is a smoking room available we can change your reservation. Is this a way we can handle this, Sir?”

Ich: „Reg dich jetzt bloß nicht auf!“
Ich: “Gleich kletter ich über den Tresen.”
Ich: „Wir sind doch nur eine Nacht hier!“
Ich: „Das hat er übersehen!“
Ich: „Übersehen?“
Ich: „So wie du ihn rannimmst, muss er ja nervös werden!“
Ich: „Jetzt mach mal halblang. Ich war höflich mit einem Schuss Humor.“
Ich: „Ist ja gut, aber lass Manhattan jetzt bitte in Frieden, sonst wird sich der Kamerad noch einen indischen Krummsäbel in den Bauch rammen.“

Ich (Konzentration meets Finsternis): „Are you sure that this is a good idea? I’m only staying for one night, Manhattan.”

Manhattan (ein indisches Nervenbündel): „Yes, Sir! Äh, no, Sir! Yes, Sir!”

Die indische Hotelkönigin (springt ihm gekonnt zur Seite): „Can I show you a place in the hotel where you can smoke, Sir?“

„Aus Ihrem Mund hört sich das ‘Sir’ an, als würde sie es summen. Ihr kann ich nichts abschlagen.“

Ich (Freundlichkeit paart sich mit gutem Willen): „Of course, you can!“

Ich: „Schleimer!“
Ich: „Sie hat nett gefragt!“
Ich: „Du hast Dich einseifen lassen!“
Ich: „Du hast gerade gesagt, dass ich höflich sei.“
Ich: „Hab ich nicht.“
Ich: „Mit einem Schuss Humor. Hast Du gesagt!“
Ich: „Um den Finger hat sie dich gewickelt!“
Ich: „Lass uns mal schauen, wo wir rauchen dürfen.“

Manhattan (spürt die Entspannung, beugt sich zu mir): “I will write you on the top of my list. Would this be ok for you, Sir?”

Ich (überrascht): „A list?”

Manhattan (freut sich über die Aufmerksamkeit): „Yes, Sir! With all guests who are waiting at the moment.“

Ich (nachforschend): „And there is a chance for this evening?”

Manhattan (nickt, beugt sich zu mir): „Yes, Sir, but it’s a confidential list!”

Ich (nicke zurück): „So what! Put me on your confidential list!”

Meine Hand streichelt den Tresen. Ich wende mich Richa zu.

„Du musst es laufen lassen, du kannst sowieso nichts ändern.“

Ein lieber Kollege hat das einmal über die Möglichkeiten, die Geschehnisse in Indien zu beeinflussen, gesagt. Genau das.

Sie (flötet mir zu): „Please follow me, Sir. I will show you the lounge.”

Ich (wiege den Kopf wie ein Inder): „I follow you!“

Ich: „Das ist ja nicht auszuhalten!“
Ich: „Was soll’s. Wir werden schon nicht entführt.“
Ich: „Entführt nicht, aber ausrutschen werden wir. Auf der Schleimspur, die du hinterlässt.“

Wir laufen an einem würfelförmig gebauten Restaurant entlang. Kantenlänge fünfzehn Meter. Der Luxus versetzt mich in Entzücken und in Entsetzen. Gleichermaßen. Die Frau mit ihren 4 Kindern schießt mir wie ein Blitz ins Gewissen. Wir passieren das Areal und münden hochherrschaftlich in eine Lounge mit monströsen unbesetzten Ohrensesseln. Ein ganz in weiß Uniformierter empfängt uns mit einem Lächeln, als hätte er seit Jahren keinen lebenden Menschen mehr gesehen. Auf seinem Namensschild steht ‚Ajar‘.

Vor den Glasfronten der Lounge stürzt der Monsun in Hektolitern auf einen Park, den ich in seinen Konturen kaum ausmachen kann. Richa erklärt in Landessprache, was das Begehr ist. Zumindest vermute ich das. Die Sprache klingt hart, aber der Kollege nickt. Ajar scheint zu verstehen.

Ajar (mit einem Ausdruck des Bedauerns, an mich gewandt): „Sorry, Sir. Smoking is not allowed in the lounge.”

Richa fährt in ihrer Landessprache fort, die Situation zu erklären. Ihr Tonfall verrät, dass sie mit dieser Antwort nicht zufrieden ist. Sein Kopf bewegt sich auf seinem Hals, als hätte er keine Kontrolle über seine Muskulatur.

„Hat er wirklich verstanden, was wir wollen?

Ajar gibt uns plötzlich ein Handzeichen, dass wir ihm folgen sollen.

„Jetzt bin ich gespannt.“

Er geht auf die riesige Doppeltür in der Glasfront zu. Sie trennt uns von der Himmelsflut. Für mich sieht es so aus, als soll die Welt hinter der Tür weggespült werden. Er streckt die Hand aus.

„Er wird doch nicht.“

Ajar drückt die Klinke herunter und öffnet tatsächlich die Tür. Ich bleibe unvermittelt stehen.

„Was hat er vor?“

Die Tür schwingt nach außen auf. Der Wind reißt sie fast aus den Angeln. Regen peitscht vor uns auf den Marmorboden. In Sekundenbruchteilen stehen wir in einer Regenwolke, umhüllt von Myriaden von Monsuntröpfchen.

„Will er das Hotel fluten?“

Ajar (dreht sich zu mir, laut, um das Prasseln zu übertönen): „You can smoke in our garden, Sir. For your convenience I can put a chair outside for you.“

Richa wendet sich zu mir. Ihr Blick ist von einer gewissen Beifälligkeit untermalt.

„Das kann unmöglich ihr Ernst sein.“

Da mir das englische Wort für ‚ersaufen‘ gerade nicht einfallen mag, ich mein ‚Lächeln der Ungläubigkeit‘ als ein ‚Lächeln der Dankbarkeit‘ für dieses wirklich großartige Angebot verkaufen kann, mein Koffer und mein Rucksack binnen der nächsten Sekunden erste Schwimmversuche unternehmen werden und ich ohnehin keine Lust mehr habe, mir ein Pfeifchen anzustecken, entschließe ich dieses Schauspiel zu beenden.

Ich (mit größtmöglicher Selbstbeherrschung): „Thank you very much, but I think I would like to go to my room first.“

Ich klemme mir meine Habseligkeiten unter den Arm und wende mich zum Gehen. Als Richa auf dem Rückweg neben mir auftaucht, spüre ich ihre Unsicherheit.

Richa (mit Samt in der Stimme): „A gala will take place on the 11th floor this evening. The Managing Director of the hotel is inviting. It would be pleasure to have you as our guest.”

„Solange ich nicht draußen sitzen muss.“

Ich (lächle mein surrealstes Lächeln): „Can I smoke a pipe there?“

Liebe Grüße
Euer Paul

PS: Und wenn Ihr mögt könnt Ihr jetzt bei der Begegnung mit „Le directeur“ wieder ganz oben anfangen.

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10 Kommentare zu „Aus dem Unterholz der Dummheit – Kapitel 6“

  1. Wie immer, lieber Paul, faszinieren mich deine Dialoge! Sie sind interessant, beleben die Story und treiben sie voran! Wunderbar! Und heiter! Man liest mit einem Schmunzeln im Gesicht von Anfang bis zum Ende. Am besten noch ein Gläschen Wein dazu oder einen Cocktail. Aber mit Schirmchen! So was liebe ich!
    Ja, ja, wenn „Paulchen“ eine Reise tut, landet er in den interessantesten Situationen! Und Gesprächen! 😀
    Darauf muss ich mir jetzt erst mal eine Zigarette anzünden!

    Du solltest dir doch überlegen, ob du deine Reiseberichte in einem großen Ganzen heraus bringst. Wie schon mal gesagt!

    Ich wünsche ein schönes Wochenende und eine gute Zeit!
    Liebe Grüße!
    Hilde

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    1. Liebe Hilde,

      wenn ich mir aussuchen könnte, wie ein Leser meiner Reiseberichte „gebettet“ sein sollte, um mit maximalem Genuss zu lesen, würde ich mir die Situation vorstellen, wie Du sie beschreibst. Derlei Einfühlung und „Hingabe“ sind das Glück jeden Autors. Danke, dass Du mich so unterstützt – und das obwohl wir uns gar nicht kennen!

      Dein Paul

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  2. Lieber Paul, ich weiß nicht genau wer von Deinen mindestens drei Akteuren der Schlingel ist, aber eure Gespräche sind das Licht meines Lesevergnügens, und obwohl ich nicht Rauche vermute ich stark, dass ich mich über das Essen mit einem Koch in die Haare kriegen könnte, spätestens beim Rindersteak 😉

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    1. Lieber Arno,

      für dieses Mal hat es etwas länger mit meiner Antwort gedauert, aber sie
      kommt: Darauf kannst Du Dich verlassen :-).

      Ein Licht im Lesevergnügen zu finden, wie Du es beschreibst, gibt mir
      die Idee eines Bildes, wie es unbedingt ein jeder von uns – vertieft
      in einem Buch oder einer Geschichte, eingemummelt mit einer Decke in
      einem kuscheligen Sofaeck, versorgt mit Kaffee oder Tee und ein paar
      Naschereien – finden sollte.

      Dann hat die Zwiesprache zwischen Autor und Leser eine Tiefe erreicht,
      wie man sie sich wünscht und wie man es auch erwarten darf :-), wenn
      man schon seine Lebenszeit in die Gedanken eines anderen investiert.

      Danke, dass es sich für Dich gelohnt hat, mich ein paar Schritte zu
      begleiten.

      Dein Paul

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  3. Lieber Paul,

    es geht mir wie Dir. Indien ist sicher ein großartiger Kontinent! Geheimnisvoll, exotisch, uralte Zivilisation, große Philosophen, …… Trotzdem werde ich dort immer innerlich zerrissen von der großen Diskrepanz zwischen dekadentem Luxus und tiefster Armut. In den westlichen Ländern sicher auch vorhanden, aber im öffentlichen Leben nicht so offensichtlich.
    Toll, dass Du bei aller „Leichtigkeit“ des Raucherthemas auch einen kurzen Blick in Dein Herz zugelassen hast!

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    1. Lieber Freund,

      tatsächlich ist eine schmerzhafte Zerissenheit im Inneren gerade in
      Indien besonders intensiv spürbar. Man kann der mentalen Streckbank
      nicht entfliehen!

      An den ARMEN zieht die unbändige Kraft, mit der Ungerechtigkeit in
      der Welt ENDLICH aufräumen zu wollen, an den FÜSSEN zieht und zerrt
      die Erkenntnis der eigenen Ohnmacht.

      Mein Weg aus der Misere trägt den Straßennamen „Dankbarkeit“ und ich
      habe gelernt, dass sie es ist, die ich in großer Demut anderen weiter-
      geben kann.

      Mir gibt sie ein Gefühl des Einvernehmens mit meiner Welt, da ich ehre,
      was ich habe und aufhöre zu streben.

      Danke für diesen Gedanken und schönen Sonntag
      Dein Paul

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  4. Ein herrliches Vergnügen festzustellen wie lang doch der Weg zu einer Zigarette sein kann .. ehrlich .. ich hab mich wieder gefunden .. und musste das ein oder andere Mal königlich lachen … ❤ lichen Dank mein lieber Freund

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