Ein Traktat zum Denken – in drei Grundregeln!

Gedanken sind frei.

Frei wie Vögel in luftigen Höhen.
Frei wie Fische in nachtblauen Gewässern.
Frei wie Fürze in endlos verschlungenem Gedärm.

Aber:
Vögel zwitscherten und verflogen sich in knatternden Propellern.
Fische blubberten und verschwammen sich in schmatzenden Mäulern hungriger Raubfische.
Fürze rumorten und verloren sich im stechenden Schmerz eines geblähten Bauchs.

Gedanken sind frei. So, so!

Sie entstehen in uns, wachsen in uns. Gedanken sind unsere Sache. Gehören uns.
Sind unsere Einfälle, Eingebungen, Inspirationen.
Sind unsere Kopfgeburten.
Sie kommen in uns nieder.
Kraftvoll, oft auch ungestüm.
Sie verlangen nach ihrem Recht.
Wir denken, also sind wir.
Das ist Freiheit.
Leidenschaftlich.
Sie bemächtigen sich unseres Geistes.
Vorankündigungslos.
Mit Verve und Geschick in glücklichen Momenten.
Dann, wenn die Phantasie einen Ausflug durch das Naturschutzgebiet
unserer Hoffnungen unternimmt.
Mit viel Schmerz in glücklosen Augenblicken.
Dann, wenn sie durch die wilde Prärie unserer Ängste stürmt.
Dann sind wir schutzlos, oft machtlos.

Genesis im Kopf! Ein guter Anfang?

Unbedingt!

Mit einer Ausnahme:
Wenn Einfälle, Eingebungen oder Inspirationen nur beschönigende Worte
für hochprozentige Schnapsideen,
famose Selbsttäuschungen oder
veritable Hirnfürze sind.
Dann handelt es sich weder um glückvolle, noch um glückleere Momente.
Dann sind es Momente, die wir im Unterholz der Dummheit verbringen.
Dann sind es Trugbilder, die sich an die Innenwand unserer Großhirnrinde
schmeicheln.

Aber einerlei wie wir es nennen, welche Hehlworte wir auch erfinden, ob
wir es verteufeln oder gutheißen, jeder Hirnfurz braucht – im Unterholz
der Dummheit – einen Ausgang und bei einiger Verwirrung – höchst
penetrant – auch einen Notausgang. Geruchsneutral oder nicht!

Welch göttliche Schöpfung, dass der voll gereifte Homo Sapiens einen Mund
und eine Zunge hat. Ja, einen Mund und eine Zunge. Der Mund und die Zunge
als der natürlicher „Auspuff“ für Hirnabgase aller Art.

Hier können wir uns entlüften und geben dem Hirnfurz ein hörbares Format.
Auf den ersten Blick ein wahrer Segen und – zuvörderst – ein Segen für den
meist heißluftigen Furz.

So weit, so gut!

Eingedenk der Tatsache, dass eine größere Anzahl nicht „mündlich“ ventilierter
Hirnfürze die Schwebebahn unseres Geistes abstürzen und geradewegs in den
Wahnsinn fahren lassen könnten, sind Mund und Zunge gar ein Segen der
Güteklasse A.

Keine Überraschung also, dass die erste Grundregel des Denkens
„Vermeide Hirn-Smog!“

lautet, denn die Gedanken sind frei.

So weit, so sehr gut!

Auf den zweiten Blick ist dieses kopfeigene Entlüftungsventil allerdings ein Fluch.
Bei unvermittelt auftretendem Überdruck im Kopf fehlen ihm verlässliche Schließ-
muskelqualtitäten. Der Mund öffnet sich – quasi unkontrolliert – und entlässt ins
Freie, was geradewegs aus dem Unterholz der Dummheit kommt.

Überdrücke mentaler Natur entstehen in diesem Dickicht durch
stromschwache Ideenblitze,
kognitive Verpuffungen oder
sinnleere Kurzschlüsse.

Einmal rausgelassen sind die Folgen verdrießlich.

Wie bei einem satt-sonoren Gesäßfurz:
Der Grad der Peinlichkeit ist auch bei einem oral abgehenden Hirnfurz nur abhängig
von der Anzahl der Zuhörer oder Zuriecher,
dem Stadium der Verdauung,
dem Lautstärkepegel der Nebengeräusche und
der Raumgröße (einschließlich der Anzahl geschlossener Fenster).

Damit folgt die zweite Grundregel auf den Fuß:
„Achte bei allem Denken auf Deine Umwelt!“,
denn Gedanken sind zwar frei, aber eben nicht immer und nicht überall.

So weit, so hervorragend!

Bei zu hoher Auspuff-Vorverschmutzung und folgerichtig bei möglicherweise
unkontrollierten Zumischungen fester Bestandteile (zum Henker mit allem,
was die Phantasie hervorbrachte), was beim gemeinen Gesäßfurz die geschmierte
Spitze der fäkalen Unappetitlichkeit bedeutet, hat der schadstoffangereicherte
Hirnfurz einen klaren Feldvorteil; absehbare Drucksteigerungen, ausgelöst
durch menschenfeindliche Grundhaltungen,
hirntrübe Wertvorstellungen oder
chronische Hirn-Diarrhö,
können von Hand entlastet werden.

Ja, von Hand.

Bestenfalls mit einem Stift darin. Denn eine Hand hat nicht nur eine Kante,
kann nicht nur malen, eine Faust machen oder – zur Not – den Mund zuhalten,
nein, sie kann auch schreiben.

Eine Hand muss nicht sprechen.

Eine Hand ist ein Kopfausgang formidabler Qualität, denn sie kann schreiben
und muss nicht – wie Füße – instinktiv die Flucht ergreifen.

Gerade wenn Mühsal im Geiste oder Illusionen im Kopf die Oberhand erlangen,
wenn geistiger Momentanbankrott sich mit verbaler Hektik zu paaren droht,
dann ist die Hand der Retter in der Not.

Gerade dann lohnt es sich, den Mund geschlossen, die Füße still und die Hand
bereit zu halten. Gerade dann erscheint es sinnvoll, zur eigenen Hand zu greifen;
selbst unter Zeitnot und wenn Leib und Leben in Gefahr sind.

Gerade dann gilt die dritte Grundregel:
„Bevor Du den Mund aufmachst, bedenke, ob Du Dir nicht selbst zur Hand gehen willst!“

So weit, so genial!

Schreibe mit Deiner Hand auf ein mehrlagiges Blatt Papier, was zu sagen Dir
(fast) unvermeidbar schien, lies es Dir laut vor – vielleicht auf einem stillen Örtchen –
und entscheide dann, ob Du die Welt um einen „mündlichen“ Hirnfurz bereichern
oder ob Du ihn – nach einer Zweitverwendung – unter Dir begraben willst;
bei einem Tauchgang in die Kanalisation.

Traktat Ende.

 

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