Der erste Reisebericht mit allerlei wüsten Verwünschungen

Liebe Leserinnen und Leser,

vorneweg:
„Ein Wunsch ist nur so lange ein Wunsch,
so lange er ein „Nein!“
hören kann!“

Gerade zur Weihnachtszeit ein überaus lohnender Zeitvertreib, sich über dieses Sätzchen mal einen Kopf zu machen. Und bitte nicht wundern, denn der tiefere Sinn findet sich erst in seiner Umkehrung: Denn was passiert, wenn ein Wunsch kein „Nein!“ mehr hören kann?

Vorsicht: Es lauert vielleicht eine Erwartung hinter seiner Fassade.
Der per se etwas harmonischere Klang eines Wunsches verleitet uns und kaschiert womöglich, was darunter liegt.

Der arglose Empfänger des Weihnachtswunsches bleibt im Ungewissen. Eine kunstvoll praktizierte, in Fleisch und Blut übergegangene und allseits geduldete Fiesheit zur lichterfüllten Zeit, die nicht ohne Folgen bleiben kann.
Über die Motive solcherlei Spielereien dürfen wir uns im folgenden Reisebericht ausschweigen. Wir kennen sie nicht.

Aber sind wir nicht eine merkwürdige Spezies?
Das Fest der Liebe ist uns – dem Vernehmen nach – eine Heiligkeit allerersten Ranges. Wie wir indes die Kerzen in uns selbst entzünden, spricht eine wenig heilige Sprache: von „Ich muss noch Geschenke kaufen!“ bis „Was schenkt man einem Menschen, der schon alles hat?“
Die Heiligkeit ist dabei nur noch ein Schatten. Zur Not verkrümmen wir uns die weihnachtlichen Absichten oder Botschaften so weit, bis der himmelsgerichtete Gedanke ungekürzt bis zum Höllenmittelpunkt reicht. Natürlich nur für den Fall, dass es einen gibt.

Als Wünsche getarnte Erwartungen – die Dunkelziffer nehme ich vorsichtig als gewaltig an – wollen zwischen den Zeilen gehört und durch die Blume verstanden werden. Dafür schicken wir sie denn in schmucken Wunsch-Verkleidungen in die Welt. Mit

• süßen Bitte-Schleifchen,
• unter gefrorenen Lächel-Masken oder
• auf Zettelchen mit der Aufschrift „Wunschliste“.

Irreführender Mumpitz! Manipulierender Firlefanz! Unfug im Format todeskämpfender Weihnacht: ein obszönes Hin und Her zwischen kalkuliertem Es, berechnendem Ich und verhöhntem Du!

Und noch einmal Vorsicht: „Weihnachtsstund hat Frust im Mund!“
Was nicht gesagt wird, kann selten gehört werden und auf „selten“ sollten wir uns nicht verlassen. Enttäuschung ist vorprogrammiert!

Reißen wir uns also am Riemen: Sagen wir frank und frei, was wir begehren und wir werden es bekommen – oder auch nicht, was uns der nun folgende Reisebericht lehrt.

Für diese kurzen Lehrminuten sollten Sie bereit sein! Mit

• der Fähigkeit, einfach mal den Rand zu halten,
• einer Grundlagen-Ausdauer der Marke „Marathon“,
• einer inneren Festigkeit, die selbst Pandora und Medusa sich gegenseitig in die Dose blicken ließe und
• einer Holzfäller-Portion Zivilcourage.

1.Teil
Es folgt nun aus einer Zeit, die eine Schöne sein soll:
Der erste Reisebericht mit allerlei wüsten Verwünschungen

Trübe Vorweihnachtszeit. Ein langer Tag steht mir bevor. Es ist noch früh. Wir befinden uns im winterlichen Treiben zwischen Schneegriesel und Salznebel auf Deutschlands Straßen. Null Grad. Ich stehe mit meinem Dienstauto in einer Parkbucht. Für Kurzparker. Be- und Entladen erlaubt. Seit geschlagenen 15 Minuten!

Der Plan war gut und einfach:

• Fahrzeit zum Bahnhof 20 Minuten,
• Parkplatzsuche im Parkhaus 10 Minuten,
• Transfer zum Bahnsteig 10 Minuten,
• Puffer 20 Minuten.
• Fahrkarte habe ich am Mann, Sitzplatz ist reserviert.

Für die Kopfrechner unter uns: eine Stunde!
Für die Blitzmerker: Der Puffer ist bald aufgebraucht.

Sie fragen sich nun, warum ich auf dem Weg zum Bahnhof ausgerechnet in dieser Parkbucht meine Zeit vertrödle?
Die wenig weihnachtliche Antwort: Fahrzeugkontrolle!

Vor mir sehe ich die Leuchtreklame eines zivilen Polizeiautos – in dessen Heckscheibe:

                     „Bitte folgen“

Sie blinkt noch. Seit 15 Minuten. Ein Folterinstrument auf offener Straße. Irgendwann kann man den Blick nicht mehr abwenden. Ich bin im Tunnel. Zum Glück sitze ich im Warmen. Der Motor läuft.
Da! Jetzt kommt wieder Leben in die Szenerie!

Die Beifahrertür des Polizei-Opels namens „Sinistra“ oder so ähnlich öffnet sich. Die brünette Pferdeschwanzträgerin von der Fraktion „Freund und Helfer“ kehrt zurück. Sah sie vor einer Viertelstunde noch so aus, als wäre sie trotz der Jugend schon an ihrem Verfallsdatum angelangt, so ist ihr „abgelaufener“ Eindruck jetzt endgültig.

Meine Papiere in ihrer Hand müssen gefälscht sein. Mindestens. Ich öffne die Scheibe. Unsere Blicke treffen sich! Keine Verheißung!

Das heimelige Innere meiner Großraumlimousine bekommt erneut ungebetene Gesellschaft: Eine steife Polarbrise weht in sehr beachtlichem Umfang die Unbilden des Wetters zu mir herein. Und die eher säuerliche Stimme der sehr weiblichen Staatsmacht.

Sie (kalt wie der Wind): „Paul Stein?“
Ich (atme tief): „Yeap! Das ist mein Name.“

Pause.

Ich (mit der entweichenden Luft): „Immer noch!“

Sie (kühl): „Wie bitte?“

Ich (lächle): „Sie haben mich doch schon vorhin nach meinem Namen gefragt, und ich war seither nicht beim Einwohnermeldeamt.“

Die Kunst, einen Witz zur Auflockerung anzubringen, hängt am seidenen Faden des Timings. Das will gekonnt sein.

Sie (kühler): „Paul Eberhard Stein?“

Ich (lächle immer noch): „Yeap!“

Sie (frostig): „Geboren 1966?“

Ich (lächle unentwegt): „Ja, 1966, am 6. Februar, und ich heiße Paul Eberhard Stein. Eine kleine Hommage an meine Großväter. Und jetzt kann ich eben P-e-st aus meinen Initialen machen!“

Pause. Sie sieht mich an. Ihr Blick bedeutet mir die schwere Geburt eines Kindes der Verständnislosigkeit in ihrem Kopf. Das mit der Auflockerung kann ich vergessen.

Ich (um die Nachgeburt zu verhindern): „Ich will jetzt wirklich nicht drängeln, aber ich muss zum Bahnhof. Verstehen Sie?“

Sie schweigt, sieht mich an, schweigt, starrt auf meinen Führerschein, schweigt. Sie hat die staatliche Ruhe weg. Das Mädchen ist nicht unattraktiv, zugegeben, aber langsam geht mir das Staatsgetue in Grün echt auf die Nerven.

Ich (leicht angespannt – die Zeit läuft): „Verzeihen Sie bitte, aber mein Zug wird ganz sicher und ausgerechnet heute super pünktlich sein.“

Zum Glück ist das Fenster geöffnet; der Blick, der mich trifft, ist scharf genug, um Glas zu schneiden. Aus den fünf verbliebenen Pufferminuten sind drei geworden.

Sie (gleichbleibend amtlich): „Das ist Ihr Fahrzeug?“

Einen Versuch, die Stimmung etwas aufzuhellen und das Eis zu brechen, wage ich noch.

Ich (lächle wieder): „Nein! Wo denken Sie hin? Das ist das Fahrzeug der Schwiegermutter meines Nachbarn! Das nehme ich immer, wenn es zum Bahnhof geht!“

Sie (amtlicher geht es nicht): „Wie bitte?“

Lacht das Mädel denn nie?

Ich (einlenkend): „Meine Liebe! Warum steht auf dem Führerschein sowie auf dem Fahrzeugschein wohl der gleiche Name? Hm?“

Mal sehen, wohin uns das führt. Zwei Minuten habe ich ja noch! Das Funkeln in ihren Augen wärmt mir jetzt verdächtig die Iris. Ich muss an einen Satz denken, den ich irgendwann in einem Geo-Heft gelesen habe:

                      „Die menschliche Pupille schmilzt bei 76 Grad.“

Sie (wiehert jetzt): „Ist – das – Ihr – Fahrzeug?“

Sie dehnt die einzelnen Worte so gereizt und spricht sie mit solcher Nachdrücklichkeit aus, dass ich meine, die Ernsthaftigkeit der Lage jetzt aus jeder Silbe zu hören. Das mit der amtsschimmeligen Attitüde und dem Pferdeschwanz passt hier zusammen wie Arsch auf Eimer. Extraklasse. Wahrscheinlich bin ich aber nicht der erste Witzbold des heutigen Tages.

Ich (vielleicht eine Spur zu lässig): „Logisch!“

Sie (schnaubt): „Warum sagen Sie dann, es sei das Fahrzeug der Schwiegermutter Ihres Nachbarn?“

Gute Frage finde ich. Verdient sie eine Antwort? Nein!

Ich (lächle – ein letztes Mal): „Das war doch bloß wieder ein Scherz, gute Frau!“

Ihr Blick hat nun hornhautverkrümmende Laserstrahl-Qualität. Ich sehe, wie sich ihre Uniform aufrichtet (sie wirkt dadurch gute 2 Zentimeter größer) und wie sie tief einatmet. Mich würde brennend interessieren, ob wir hier – auf dem Geläuf der Parkbucht – für dieses Mal ohne Gatter auskommen werden. Ich bin gespannt!

Sie (reichlich aufgebraust): „Jetzt hören Sie mal. Ich bin weder Ihre gute Frau, noch Ihre Liebe noch sonst irgendetwas. Sie sind hier in einer Polizeikontrolle, weil Sie zu schnell gefahren sind und ihr rechtes Rücklicht defekt ist. Glauben sie also nicht, wir machen das hier alles nur so zum Spaß, und wenn sie jetzt nicht kooperieren, werden Sie den nächsten Zug zu Silvester nehmen. Ist das jetzt klar?“

Ihr Blick ist durch mich hindurch hinter mir in einer Parfümerie angekommen und durchbohrt dort nun die weihnachtlich dekorierten Duft-Flacons.

Ich (ohne jedes Lächeln): „Lassen Sie mich mal nachdenken!“

Sie (kurz vor der Fassungslosigkeit): „Wie bitte?“

Ich (den „Großen Ochser“ in der Parkbucht nehme ich jetzt selbst): „Natürlich ist das klar! Sonnenklar!“

Pause.

Ich (und ich beschleunige auf 180 km/h): „Aber können wir den Straftäter bitte jetzt sofort dem Schnellrichter vorführen und ihn umgehend hinrichten? Denn er muss zum Zug!“

Einatmen, ausatmen! Der Zeitpuffer ist auf eine Minute geschmolzen.

Ich (hänge schon halb aus dem Fenster): „Ist das jetzt auch klar?“

Wenn mich nicht alles täuscht, werden die Pferdeschwänzin und ich in diesem Leben keine Freunde mehr. Außer, ja außer, ich nenne sie jetzt noch „Schätzchen“, oder wahlweise „Schätzelein“ und lass ein paar unflätige Bemerkungen über das Wesen einer Parkbucht als Pferdekoppel fallen. Dann wird das mit der Freundschaft richtig super.

Aber dazu ist die Zeit jetzt wirklich zu knapp. Und ich war so gut gelaunt.

Sie (ich meine, Schwefel in ihrem Atem zu riechen): „Stellen Sie den Motor ab, Herr Stein, und steigen Sie aus Ihrem Wagen.“

Ich (konsterniert): „Wie bitte? Das ist nicht ihr Ernst!“

Ich sehe ein leichtes Zucken ihrer rechten Hand. Ein Zeichen. Die Fahrertür des Sinistras (oder so ähnlich) öffnet sich. Der Kollege! Der hat mir jetzt noch gefehlt.

Ein Typ wie eine Landmaschine steigt aus: ungepflegt, geländegängig, einsatzbereit.

2. Teil
Mir ist, als müsste ich gleich kotzen. Da gibt man sich alle Mühe, freundlich, witzig und charmant zu sein, und dann muss man aussteigen. Wo gibt’s denn so was? Auf eine flotte Skatrunde oder auf etwas anderes, was man zu dritt im Matsch machen könnte, wird das wohl nicht hinauslaufen.

„Schade!“

Die Landmaschine ist auf der Höhe meines Außenspiegels angekommen. Sein Blick ist grimmiger, als es die Lage erfordert.

Er (tief, irgendwie rockig): „Bitte steigen Sie jetzt aus!“

Wunsch oder Erwartung? Das ist hier die Frage. Ich öffne lieber die Tür. Diese Bitte kann sicher kein „Nein!“ hören!

Ich greife nach meinem Mantel. Ein guter Mantel. Kleidsam und von wärmender Güte. Ich steige aus. Schlüpfe in die edle Oberbekleidung, aber das Gefühl des Matsches, zwischen der Straße und meinen Ledersohlen, ist von der Griffigkeit eines flüssigen Eidotters.

„Pass bloß auf, dass Du Dich nicht auch noch auf die Schnauze legst. Das würde Dir jetzt noch fehlen.“

Mich beschleicht das ungute Gefühl, dass man mir im Hier und Jetzt eine amtliche Wurzelbehandlung verpassen will. Oder zumindest eine polizeiliche Darmspiegelung. Oder man zupft mir von Amts wegen die Nasenhaare. Die vorbeihuschenden Passanten zeigen nur wenig Mitgefühl. Sie sind intensiv damit beschäftigt, grundunschuldig auszusehen oder den Laserstrahl-Blicken meiner neuen besten Freundin auszuweichen.

Ganz anders dagegen: die beiden voll aufgebrezelten Fachverkäuferinnen für den weiblichen wie auch den männlichen Sanitärbedarf. Sie stehen im Inneren der Parfümerie mit den blickdemolierten Flacons und genießen die Show vor ihrem Schaufenster in vollen Zügen. Die Fingernägel, die zum Brotschneiden gewachsen sein müssen, erkenne ich auch ohne Brille auf 5 Meter Entfernung durch den Schneegriesel aus dem Augenwinkel. Beide haben – fast wie Zwillinge – ihre rechten Arme unter die weißbeblusten Riesenbrüste (die sind unmöglich echt!) gelegt und stützen mit den Handrücken die angewinkelten Armbeugen der linken Arme. Raucherstellung! Aber gequalmt wird nicht. Nicht in der Parfümerie. Gaffen hingegen ist in diesem Fachgeschäft erlaubt. Vielleicht sogar erwünscht. Frechheit!

Der Polizist der Marke „Landmaschine“ ist ein kantiges, knapp zwei Meter großes Gestell mit behaarten Händen, die wie ein gut bewachsenes Stück Land aussehen. Mein Zeitpuffer ist im Eimer.

Ich habe noch sechs Minuten Fahrzeit, dann die 10 Minuten für die Parkplatzsuche und dann noch einmal 10 Minuten für den Transfer zum Gleis, wo in genau 26 Minuten (was für ein Zufall!) planmäßig mein Zug aus dem Bahnhof rollen soll.

Passt genau. Das kann ich schaffen. Wenn es jetzt schnell geht. Mustergültige Kooperation und keine Sprüche mehr.

Sie (harsch): „Zeigen Sie mir Ihren Verbandskasten und Ihr Warndreieck!“

Ich kann es nicht lassen!

Ich (leise): „Bitte.“

Sie (kocht wieder auf): „Wie bitte?“

Ich (etwas lauter): „Bitte!“

Sie (hart): „Bitte.“

„Geht doch!“

Und alles ist ordnungsgemäß vorhanden. Ich meine einen Hauch von Zufriedenheit auszumachen. Als ich auch noch meine Warnweste (in Top-Zustand) präsentiere und mit einem Pfadfinder-Ehrenwort versichere, dass ich das mit dem Rücklicht noch in dieser Woche in Ordnung bringen würde, sehen sich die beiden zum ersten Mal an. Eine Chance. Zugreifen.

Ich (gefasst und ganz weich): „Liebe Kollegen, …“

Beide schauen zu mir!

Ich (ruhig): „…in 24 Minuten fährt mein Zug auf Gleis 9 ab. Es ist wirklich wichtig, dass ich ihn erreiche. Mir geht es gerade ganz schrecklich, weil ich solche Zeitnot habe, ich zu schnell gefahren bin und mich gegenüber der Kollegin…“

Ich nicke ihr zu.

Ich (getragen): „…viel zu flapsig aufgelegt war. Das tut mir wirklich leid. Könnten Sie sich unter Umständen vorstellen, dass ich e-c-h-t ihre Hilfe brauche?“

Ich zähle: 21, 22, 23! Eine Aposiopese. Eine rhetorische Figur. Macht man, bevor man etwas Wichtiges zu sagen hat.

Ich (trete einen Schritt auf die beiden zu, leise): „Könnten Sie mich bitte dabei unterstützen, dass der Zug nicht ohne mich losfährt?“

Kurze Pause. Und jetzt den Sack zumachen.

Ich (eindringlich): „Bitte. Es ist doch Weihnachten!“

Die beiden sehen sich an. Dem Pferdeschwänzlein wird kalt. Die Sekunden vergehen.

Er (von oben): „Was machen wir mit ihm?“

Sie (zuckt mit den Schultern): „Mach, was Du denkst!“

Sie drückt ihrem Kollegen die Unterlagen in die Hand und trabt von dannen. Ich traue meinen Augen nicht.

Ich (reuig): „Bitte sagen Sie Ihrer Kollegin, dass ich es mit keinem Wort böse gemeint habe.“

Die Landmaschine sieht mich prüfend an und dann reicht mir das Händepaar aus dem berühmten Land der Handriesen doch tatsächlich meine Papiere.

„Unglaublich!“

Er (ernst): „Für heute belassen wir es bei einer Ermahnung.“

Er (zwinkert): „Sie können weiterfahren, aber nicht zu schnell.“

„Danke, lieber Gott. Dafür, dass Du mir die richtigen Worte in den Mund gelegt hast. Super!“

Mein Zeitpuffer ist wuchtig demoliert. Ich springe mit Mantel hinters Steuer. Mein Rücken ist trotz der frostigen Temperaturen schweißnass. Ich starte den Wagen, und das Gaspedal vergräbt sich in der Schutzmatte des Fußraums. Die eingeschlagenen Räder, der Schneematsch und der gehörige Vortrieb des Vorderradantriebs zeichnen in meinem Rückspiegel ein hübsches Spritzmuster an die Schaufensterscheibe der Parfümerie. Genau! Vor die Gesichter der Königsmöpse. Recht so. Und ich weiß auch schon, wer putzen darf.

Noch 18 Minuten, statt der vorberechneten 26. Der Innenstadtverkehr ist dicht, aber nicht stockend. Ich springe durch die Lücken des Verkehrs wie ein scheues Reh. Als die letzte Ampel vor dem Bahnhof auf Grün springt, habe ich den Mantel wieder ausgezogen und noch genau 11 Minuten. Ich habe eine weitere Minute verloren.

Der Plan: Parkkarte ziehen, Parkplatz suchen, Gepäck greifen, Mantel nicht vergessen, Auto abschließen, Parkdecks im Laufschritt überwinden, Bahnhof entern, Bahnsteig orten, Zug bespringen.

Wie gesagt: Der Sitzplatz ist reserviert. 10 Minuten als ich die Karte ziehe. Noch keinen einzigen Schritt gerannt, aber unzählige Schweißtropfen laufen mit der Schwerkraft meinen Rücken hinunter. Wohin das führt, malen Sie sich mal schön selbst aus. Derweil blicke ich zurück:

„Paul Stein?“

Glaubt man so etwas? Die staatliche Laubfröschin mit Pferdeschwanz nimmt mir finster und fast wortlos den Führerschein sowie den Fahrzeugschein aus der Hand, verschwindet für eine gefühlte Ewigkeit in ihrem Polizei-Sinistra, kommt dann noch unheilvoller wieder und liest meinen Namen von den Dokumenten ab, als sähe sie alles zusammen zum ersten Mal.

„Paul Stein?“

Dass ich nicht lache. Wahrscheinlich hat das polizeiliche Marsweibchen nur an ein paar Zigaretten gelutscht, während mein Zeitpuffer sich in diesem blauen Dunst aufgelöst hat.

„Paul Stein?“

Und dann kommt auch noch der lange Lulatsch aus dem sinistren Gefährt gekrochen. Grün hin, grün her, etwas mehr Kundenorientierung wäre schön – auch bei den Grünen. Sonst wird das nichts mit der Charme-Offensive.

„Paul Eberhard Stein?“

Aber dass sie mich am Ende dann doch haben fahren lassen, war irgendwie nett. Das muss ich ihnen lassen.

Ich muss mich jetzt gewaltig sputen: Noch sieben Minuten – als ich endlich in eine Parkbucht einfahre. Ich sitze schon in einer Pfütze. Was für ein Stress! Mein Arsch ist komplett eingenässt. Alles klebt. Ich befürchte, dass schon der Autositz Tage zur Trocknung brauchen wird. Ein paar Schweißränder auf dem Nappa-Leder machen sich sicher prächtig.´Als ich auf die Fernbedienung drücke, um den Wagen zu schließen, fliege ich bereits die Treppen zum Bahnhof hinauf. Vollgas. Noch fünf Minuten. Aber irgendwas stimmt mit meiner Sauerstoffversorgung nicht. Ich bekomme zu wenig Luft in die Muskeln. Rucksack über der rechten Schulter, Mantel über dem rechten Arm; zum Anziehen zu warm! Die linke Hand frei, um am Treppengeländer mehr Schub zu geben. Alles perfekt, nur die Luft ist zu wenig!

„Paul Stein? Oh, was ich Willkür hasse! Gut, ich hätte auch an ein paar Stellen den Rand halten können.“

„Die Parkkarte! Wo habe ich die verdammte Parkkarte hingesteckt?“

Ich muss stehenbleiben. Schwerste Atemnot. Viel schwerer als sonst. Taschenkontrolle linke Seite. Nichts. Mantel auf den linken Arm. Taschenkontrolle rechts. Nichts. Verflucht.

„Ich muss zurück zum Wagen. Oder doch nicht?“

Mein schielender Blick fällt auf die Parkkarte. Zwischen meinen Lippen. Fest eingepresst. Ich nehme sie heraus. Sofort strömen Unmengen an Sauerstoff in meine Lungen. Das erzähle ich lieber niemandem. Keine Luft? Das ich nicht lache. Ich nehme den Mantel wieder über den rechten Arm, stecke die Karte sorgsam in meine linke Hosentasche und nehme wieder Geschwindigkeit auf. Noch drei Minuten. Ich entere den Bahnhof zwischen Gleis 1 und Gleis 2.

Bis zu meinem Gleis sind es noch gut 100 Meter, aber die Menschenmenge lässt einen satten Sprint nicht zu. Noch zwei Minuten. Doch ich bin wendig, trotz meiner Masse! Einige Schubser, einige Rempler. Ich höre Flüche hinter mir. Die Vernichtungsenergie, die ich aufbiete, ist beachtlich.

Noch eine Minute. Ich biege auf Gleis 9 ein. Ich höre eine Trillerpfeife. Was sage ich: super pünktlich! Ich hole das Letzte aus mir raus. Noch 20 Meter. Die ersten Türen schließen.

3. Teil
 
Eine Dame sieht mich heranstürmen. Sie tritt zurück und hält mir mit der rechten Hand die Tür auf. Es gibt noch nette Menschen.
 
Paul Stein? Richtig, da kommt er! Mit Karacho!“
 
Letzte Sekunde, fast der letzte Atemzug, aber ich habe es geschafft. Das war knapp! Der Dame, um die 50, die hinter mir mühelos auf den anfahrenden Zug aufspringt (Respekt!), werfe ich einen dankbaren Blick zu.
 
Zum Reden fehlt mir die Luft. Innehalten. Einatmen. Ausatmen.
 
Ich gehe in Gedanken meine Ausrüstung durch: Schlüssel und Parkkarte sind gesichert, Rucksack geschultert, Mantel über dem rechten Arm. Alles dabei. Die Karre ist zu.
 
„Wie schön!“
 
Was jetzt kommt, ist der unangenehme Teil dieser Zughetzjagd: das Nachschwitzen. Gerade in einem vollgestopften Zug ein Genuss mit dem Prädikat „Wertvoll“! Mir drückt es das Schwitzwasser aus allen Enden des Körpers. Auch dort, wo ich gar keine Schweißdrüsen habe, zerfließe ich in salzigen Strömen. Bis zu meinem Sitzplatz muss ich zehn überfüllte Wagen überwinden: ein „Querzugein-Marathon“ steht mir bevor. Ich komme mir vor wie eine aus allen Löchern siffende Langstrecken-Handpuppe. Geführt von einem Sitzplatzgott mit eigenem Wohnort:
 
Wagen 11. Großraumwagen. Platz 78. Fensterplatz.
 
Meine Reservierung! Super! Dort muss es schön sein.
 
„Hier – in Wagen 1 – ist es das nicht!“
 
Zwischen Koffern, Pappkartons, Rucksäcken, Plastiktüten und gefühlten vier Millionen Menschen kann ich wie auf Knopfdruck drei mechanische „Wünsche mit kleinerer Erwartungstendenz“ äußern:
 
Ich (freundlich): „Darf ich bitte mal vorbei?“
 
Ich (noch freundlicher): „Dürfte ich bitte mal durch?“
 
Ich (superfreundlich): „Verzeihen Sie bitte?“
 
Die Antworten sind weihnachtlich verpackt: in misslaunigem Raunzen, in mürrischem Fauchen, in muffigem Knurren. Ich kann es niemandem verdenken. Zwischen steigen, schubsen, drängeln, klettern und rempeln, verliere ich Liter um Liter. Zug-Diät.
 
„Kann mir mal jemand verraten, warum es in dieser Menschendichte so bestialisch stinkt?
 
Die erschreckend selbstverliebte Antwort:
 
„Ich bin es sicher nicht! Noch so frisch verschwitzt, rieche ich gar nicht so übel. Das muss ich mir lassen.“
 
Vor allem nach Parkbucht-Dressur, Bahnhofs-Cross und Wagen-Parcours. Ausdauersport von öffentlichen Geldern finanziert. Ein starkes Stück Beschiss! Das muss man sagen. Bei dem Preis! Anstelle des Zugtickets kann man sich im texanischen Hinterland garantiert eine ansehnliche Ranch kaufen.
 
„Wagen 11.“
 
Im Mittelgang sitzen Mitreisende auf ihren Koffern. Es ist brechend voll. Seit gut einer Viertelstunde übersteige ich nun meine Mitreisenden, und meine Körper-Schleusen schließen sich – langsam. Mein Anspannungsgrad ist aber noch beachtlich. Woher ich das weiß? Meine Halsschlagader pocht heftig. Am zu eng sitzenden Oberhemd. Ein sicheres Zeichen für Nichtentspanntheit: Denn mein reservierter Sitzplatz ist belegt.
Ich komme von hinten an die Sitzplätze 77 und 78 heran. Zwei Frauen. Sie sehen mich nicht kommen. Sie unterhalten sich angeregt, scheinen sich zu kennen. Jetzt stehe ich neben ihnen. Beide sind Mitte zwanzig, beide – zumindest von der Seite – ordentlich anzusehen. Um keine Aufmerksamkeit zu erregen, spreche ich betont leise.
 
Ich (gedämpft): „Verzeihen Sie bitte, aber Sie sitzen auf dem falschen Platz.“
 
Ich wedle mit meinem Reservierungsscheinchen, als hätte ich einen Durchsuchungsbefehl in der Hand.
 
„Bleib ganz cool, Paul! Alles wird gut!“
 
Das Damendoppel schenkt mir keinerlei Beachtung.
 
„Die tun so, als wäre ich der heiße Dampf selbst, den ich hier in größeren Wölkchen ausdünste.“
 
Ich (etwas lauter): „Das ist mein Platz, meine Damen.“
 
Keine Reaktion. Pause.
 
„Das lässt sich ändern, Ihr Süßen. Alte Militärschule.“
 
Ich (laut): „Entschuldigen Sie bitte, Sie sitzen auf meinem Platz!“
 
Klasse, Paul, so läuft das mit der Zurückhaltung…“
 
Die Plätze 70 bis 85 haben ihre Gespräche eingestellt und sind jetzt mit voller Aufmerksamkeit mit von der Partie. Auch die Koffersitzer vor und hinter mir schauen zu mir auf, als könnte ich Eintritt verlangen.
 
…immer schön laut und zackig und dabei pfeifen wir auf alles, was auch nur entfernt nach Verstand aussieht, super!
 
Die beiden Mädels auf den Plätzen 77 bis 78 schauen mich an, als wäre ich gerade durchs Zugdach gekracht.
 
Platz 77: „Hören Sie mal, geht das auch ein bisschen leiser!“
 
Recht hat sie!
 
Ich (also leiser und noch mal): „Verzeihen Sie, Sie sitzen auf meinem Platz!“
 
Dabei deute ich auf Platz 78. Um mich herum ist es mucksmäuschenstill! Die Plätze 45 bis 70 und 85 bis 110 haben sich ebenfalls zugeschaltet.
 
Platz 78 (überzeugend): „Das kann sein, aber das müssen Sie mit dem Kerl, warten Sie,…“
 
Sie zerrt einen Wisch hervor, wie ich ihn in der Hand halte. Eine Reservierung!
 
Platz 78: „…von Platz 21 ausmachen. Der wollte nicht aufstehen, als ich kam.“
 
Ich (absolut Herr der Lage): „Das ist unangenehm für Sie. Das verstehe ich natürlich, aber verstehen Sie bitte auch, dass Reservierungen keine Wanderpokale sind. Darf ich Sie also bitten, dass mit dem Herrn selbst zu klären. Bitte!“
 
Platz 77 (laut): „Ach kommen Sie schon, geben Sie sich einen Stoß. Können Sie das nicht klären?“
 
Platz 78 nickt, gute 80 Prozent der live geschalteten Sitzplätze nicken mit. Jetzt ist guter Rat teuer:
 
„Lass ich mich von den jungen Dingern erweichen, mache auf Kavalier und stehe nachher vielleicht ohne Sitzplatz da oder lege ich den Macho und Frauenunterdrücker aufs Parkett und mach mich ganz nebenbei noch zum ‚Arschloch des Monats‘?“
 
Platz 78 (ebenso laut): „Genau. Gehen Sie schon!“
 
Einige haben schlagartig aufgehört zu nicken. Ich erstarre innerlich. Hab ich mich verhört?
 
„Gehen Sie schon?“
 
Ich war schon fast an der Angel. Hätte Platz 78 einen säuselnden Wunsch eingeflochten, ich wäre umgefallen, aber so…
 
„Gehen Sie schon?“  
 
Ich (laut und deutlich): „Ich rate Ihnen, dass Sie sich genau jetzt in Bewegung setzen, sonst sehe ich mich gezwungen, den Schaffner hierher zu bringen und dann klärt er für uns, wer wo zu sitzen hat.“
 
„Das war ein bisschen geschwollen.“
 
Ich (setze laut nach – Parkbucht-Manier): „Ist das jetzt klar?“
 
Wir könnten jetzt schon die Eintrittspreise erhöhen. Alle starren mir mittelgroße Einschusslöcher in den durchgeschwitzten Pelz. Die Atmosphäre ist angespannt. Platz 78 macht Anstalten sich in Bewegung zu setzen. Ich höre ein genuscheltes ‚Ist ja gut‘. Dabei greift sie vor sich unter die Sitze. Ihr Bücken wirkt steif, fast als hätte sie eine Behinderung. Zwei Krücken tauchen auf. Sie lächelt mich gequält an. Platz 77 schickt sich an, Ihr Platz zu machen. Ich denke:
 
„Kinderlähmung!“
 
Ich (beuge mich vor, leise): „Kinderlähmung?“
 
Platz 78 nickt.
 
Pause.
 
Kennen Sie den Moment, in dem Ihnen ohne jede Vorwarnung alle Sicherungen durchbrennen? Jene Sekunde, in der Sie Contenance nicht einmal mehr buchstabieren könnten, selbst wenn Sie wollten? Jenen Augenblick, in dem Sie ihre Umwelt nicht mehr wahrnehmen können, weil sie zwischen Scham und Wut verloren sind? Nicht mehr wissen, wohin mit sich? Nicht mehr wissen, was Sie als nächstes tun?
 
In diesem Moment stecke ich gerade. Ich brauche nur Bruchteile einer Sekunde, um zu überreißen, worum es hier geht: Wir haben einen Menschen an Bord dieses Zuges, der einer behinderten Frau ihren reservierten Sitzplatz verweigert. Hier wollen wir uns konzentrieren. Es braucht jetzt den richtigen Fokus, um den nächsten Schritt noch geplant gehen zu können, bevor der Sturm losbricht.
 
Ich (ganz leise, aber ich bin mir ganz sicher, dass es alle hören!): „Sie rühren sich nicht vom Fleck. Sie bleiben, wo Sie sind. Niemand wird Sie von diesem Platz vertreiben. Hören Sie: Ich werde jetzt meinen Rucksack und meinen Mantel bei Ihnen lassen, um das zu klären. Ich komme gleich wieder.“
 
Pause. Blickkontakt. Nähe. Mir quillt das Adrenalin schon aus den Ohren, kann kaum noch stillhalten.
 
Ich (ganz behutsam – und mit letzter Kontrolle): „Geht das in Ordnung für Sie?“
 
Platz 78 nickt wieder. Platz 77 hat sich wieder gesetzt. Beide sehen mich unsicher an. Ich lächle (gefroren!), stelle meinen Rucksack ab, lege den Mantel über die Lehne von Platz 77, richte mich auf, drehe mich um 90 Grad in Fahrtrichtung des Zuges und atme tief ein.
 
Ich (ins Nichts): „Waren es mehrere?“
 
Platz 78 (mit leicht zittriger Stimme): „Wissen wir nicht.
 
Platz 77 (zittert mit): Vielleicht!“
 
Die Koffersitzer sind bereits aufgestanden. Ich habe freien Durchgang. Ich brauche alle Kraft, um nicht loszustürmen. Ich vibriere an Händen und Knien.
 
„Los geht’s!“
 
Die Sitzplatznummern ziehen stumm an mir vorüber, die Blicke der Mitreisenden begleiten mich. Meine Anspannung reißt an meinen Sehnen und Bändern, und meinen Nerven droht ein Zusammenbruch. Ich habe das Gefühl, als könnte ich mit einem Satz das Zugdach durchbrechen.
 
„Bleib äußerlich ganz ruhig! Er wird an Deiner Stimme merken, dass etwas mit Dir nicht in Ordnung ist. Er wird spüren, was passiert, wenn er sich nicht sofort bewegt. Er wird ohne Aufsehen zu erregen, den Platz räumen und das Abteil verlassen! Er möchte heute nicht aus diesem Zug getragen werden. Er möchte nur die Chance, sich zu verpissen, ohne das Gesicht zu verlieren.“
 
Ich bin auf der Höhe von Platz 50. Ich beginne einen inneren Dialog:
 
Ich: „Was tue ich, wenn es eine Gruppe ist?“
Ich: „Was schon, das was Du immer tust!“
Ich: „Und was ist das?“
Ich: „Nachdenken!“
Ich: „Aber das wird hier nichts bringen, mein Lieber. Ein Typ, der einer behinderten Frau den Platz verwehrt, dürfte mit Nachdenken nicht zu beeindrucken sein. Ich gehe von jemandem zwischen skrupellos und ohne Ehre aus. Bereit nur seine eigene Haut zu retten. Und Du?“
Ich: „Ich auch!“
Ich: „Und mehr hast Du nicht?“
Ich: „Er ist nicht darauf gefasst, dass jemand kommt. Geh ganz nah ran, so dass er nicht Aufstehen kann. Leg ihm dabei die Hand auf die Schulter und platziere den Daumen zwischen Schulterblatt und Schultergelenk. Beuge Dich vor und flüstere ihm ins Ohr!“
Ich: „Das ist Dein Plan?“
Ich: „Yeap!“
 
Platz 39 ist neben mir. Die Menschen hier nehmen keinerlei Notiz mehr von mir. Man hat auf mein Kommen nicht gewartet. So weit reichte der Aufruhr von Platz 77 nicht.
 
Ich (noch mal): „Das ist Dein Plan?“
Ich: „Aber ganz genau!“
 
Platz 33. Die Erste.
 
Ich sehe ihn. Kopfhörer. Scheint allein. Die Arme vor der Brust verschränkt. Bräunlicher Teint. Starker Kiefer. Achtet auf sein Äußeres. Kapuzenpulli. Um die 30. Gut trainiert. Weiß sich vermutlich zu verteidigen. Platz 22 ist harmlos. Plätze 20 und 19 sind mit Mutter und Kind besetzt. Das Kind sitzt Gott sei Dank am Fensterplatz. Jetzt sieht er mich. Ich halte den Blick. Beschleunige leicht. Er weiß nicht, was auf ihn zukommt…
 
29. 25. 21. Gangplatz. Wie 77.
 
Ich fahre mit meiner rechten Hand unter seine linke Kopfhörerseite, umfasse das Ohr vollständig und drücke mit angemessener Kraft zu. Gleichzeitig geht mein linker Daumen genau auf die Sehne am Übergang zum rechten Schultergelenk. Ich presse nicht. Mein rechtes Knie stemme ich in seinen Schritt.
Das alles geschieht in weniger als einer Sekunde. Das Überraschungsmoment ist wahrlich ein starker Verbündeter. Er kann nur noch die Hände bewegen, doch ich schätze ihn so ein, dass er das erst gar nicht versuchen wird. Der Schmerz, den ich ihm dann zufügen würde, wäre ein Preis, den er nicht bezahlen will.
 
Ich (ganz leise – in sein rechtes Ohr): Hast Du einer behinderten Frau vorhin ihren Platz verweigert?“
 
Pause.
 
Ich (erhöhe den Druck an Ohr, Schulter und Schritt): „Du musst nur nicken oder den Kopf schütteln!“
 
Er nickt, ich spüre, wie der Schmerz bei ihm einsetzt.
 
Ich (unnachgiebig): „Wirst Du, wenn ich Dich jetzt loslasse, aufstehen, Dich bei der Frau entschuldigen, aus diesem Abteil verschwinden und nie wieder einen Platz besetzen, der Dir nicht gehört?“
 
Er nickt wieder. Wenn ich den Druck weiter erhöhe, wird er schreien.
 
Platz 33.

Bevor ich die gerade geschilderte Nummer abziehe, gehe ich lieber noch mal in den inneren Dialog.
 
Ich: „So würde Dein Plan aussehen? Mit dieser brachialen Gewalt?“
Ich: „Ganz genau so!“
Ich: „Und wie denkst Du Dir das? Machen wir hier auf ‚Punisher and Terminator‘, oder was?
Ich: „Das ist ein Spitzenplan, mein Freund!“
Ich: „Und was, wenn der Typ Karate kann und uns aus dem Zug schmeißt, hm?“
Ich: „Hast Du einen besseren?“
Ich: „Wart’s ab!“
 
Platz 33. Die Zweite.
 
Ich sehe ihn wirklich. Kopfhörer. Scheint allein. Die Arme vor der Brust verschränkt. Bräunlicher Teint. Starker Kiefer. Achtet auf sein Äußeres. Kapuzenpulli. Um die 30. Platz 22 ist mir wurscht.  Plätze 20 und 19 sind mit Mutter und Kind besetzt. Also nicht unflätig werden. Jetzt sieht er mich. Ich halte den Blick. Beschleunige leicht. Er weiß nicht, was auf ihn zukommt…
 
29. 25. Gangplatz. Wie 77.
 
Ich bleibe bei Platz 25 stehen, mindestens 6 oder 8 Augenpaare sind wegen meines unübersehbaren Auftritts auf mich gerichtet. Ich habe schon jetzt die volle Aufmerksamkeit. Er wird sie auch gleich haben. Ich bedeute ihm die Kopfhörer abzuziehen. Er hebt mit der rechten Hand die rechte Muschel vom Ohr. Tut gelangweilt.
 
Ich (sehr laut): „Ihr Platz gehört einen behinderten Frau, die jetzt auf meinem sitzt. Sie sagte mir, dass hier ein Mann säße, der einer B-e-h-i-n-d-e-r-t-e-n ihren Platz verweigern würde.“
 
Seine Augen flattern für einen Moment. Er sieht sich um. Einige Mitreisende bäumen sich regelrecht auf, um den Übeltäter besser begaffen zu können.
 
„Perfekt!“
 
Ich (noch lauter): „Stimmt das?“
 
„Keinerlei Bewegung zu erkennen!“
 
Ich (schreie fast): „Stimmt das?“
 
„Ich sehe kein Zucken. Jetzt heißt es nachlegen.“
 
Ich (im Tonfall eines angeschossenen Topagenten): „Wenn ja, dann schlage ich vor, dass Sie sofort aufstehen, sich bei der Frau für Ihr Benehmen entschuldigen und dann das Abteil verlassen.“
 
Es ist, wie ich es mir selbst vorausgesagt hatte. Er spürt meine Anspannung ganz unvermittelt. Ich kann es sehen. Er spürt zwar meine Angst, aber auch meinen noch größeren Willen, ihm wehzutun, wenn’s drauf ankommt. Er spürt den groben Anflug von Wahnsinn, der mich durchflutet. Er sieht sieht, wie meine Hand Platz 25 erzittern lässt. Er sieht mich auf dem Sprung. Er weiß nicht, was er tun kann, um aus dieser Nummer cool rauszuspazieren.
 
Ich (hart): „Sofort!“
 
Dabei rüttle ich heftig an der Lehne von Platz 25. Meine Stimme überschlägt sich fast. Meine Halsschlagader droht zu platzen. Er erhebt sich. Ist größer, als ich dachte. Sein hoch roter Kopf und sein gesenkter Blick verraten, dass er nicht attackieren wird. Er greift über sich in die Gepäckablage, nimmt seine Umhängetasche, spürt die Blicke von allen Seiten brennen, zwängt sich an mir vorüber und geht in Richtung Platz 78. Ich falle auf Platz 21. Bin wie erschlagen. Mental auf der Felge.
 
Platz 19 (das Kind): „Mama, was der Mann da gesagt?“
 
Platz 20 (Mama): „Eigentlich nichts, mein Schatz. Er hat nur etwas klargestellt und der andere Mann hat es eingesehen.“
 
„Genau!“
 
Ein paar Minuten später erfahre ich, dass ein etwa 30-jähriger Mann sich im Vorbeigehen bei Platz 78 entschuldigt habe.
 
„Wie schön.“
 
Und zum guten Schluss noch die Moral von der Geschicht:
„Fährst Du in aller Hektik in ein Parkhaus, so merke Dir, wo Du Dein Auto abgestellt hast!“
 
Sonst geht Dir es wie mir: Ich habe nach ätzenden und angsterfüllten 30 Minuten Suchzeit den Parkhauswächter alarmiert und mein Fahrzeug als gestohlen gemeldet.
 
Er: „Sind Sie sicher, dass Sie überall geschaut haben?“
 
Ich: „Ich habe das ganze Parkhaus auf den Kopf gestellt.“
 
Sein prüfender Blick bohrt sich in mein Hirn.
 
Ich: „Ehrlich!“
 
Er: „Das haben hier schon viele behauptet! Wussten Sie, dass dieses Parkhaus einen spiegelverkehrten Zwilling hat? Ich hab zwar keine Ahnung, warum die Architekten das gemacht haben, aber es gibt nochmal so ein Parkhaus, und dazu müssen wir nur durch die Stahltür dort drüben gehen.“
 
Der Parkhauswächter nimmt mich am Arm und ich wandere mit ihm auch noch durch diese Stahltür.
 
Mein einziges Glück ist nur, dass ich mir in dieser Vorweihnachtszeit nicht wünschen musste, dass der Mann aufsteht, sondern ich ihm klar machen konnte, was ich erwarte…
Euer Paul
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56 Kommentare zu „Der erste Reisebericht mit allerlei wüsten Verwünschungen“

  1. Lieber Paul,
    wir waren sehr angetan von deiner humorvollen und durchdachten Geschichte.
    Toll war es, dass wir deine Gedankengänge so gut nachvollziehen konnten und die Regieanweisungen gaben uns einen lebhaften Einblick in das Geschehen.
    Gelungen ist auch die Strukturierung des Textes durch die Einführung in das Thema die wiederum passend zum letzten Satz ist.
    Die Wiederholung im letzten Abschnitt, bei der er erst gedanklich das Szenario durchspielt und es dann letztendlich durchführt, fanden wir sehr gelungen da sie unsere Gedanken ins Rollen brachte.
    Zusammenfassend möchten wir dir für den Text, der die Thematik des Wünschens und Erwartens in einer anderen Ebene darstellt, ein Lob aussprechen.
    Liebe Grüße!

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    1. Und dieses Lob fällt auf den Humus meiner Freude.

      Für heute ein Dank und ein herzlicher Gruß an eine
      Gruppe von Menschen, die sich meiner angenommen haben.

      Euer Paul

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      1. Lieber Paul, ich habe mich an meine letzten Fahrten mit der DB = dämliche Bahn , erinnert gefühlt. Du kannst diese Situationen minutiös beschreiben, ich bin bei der Polizeikontrolle fast vor Lachen vom Stuhl gefallen. Es hat mich geflasht. Wenn dein Reiseberichte auch so sind, werde ich Muskelkater vom Lachen haben, wenn ich Glück habe, vielleicht ein Sixpack vom Lachen ? Also, mich hast du wunderbar unterhalten, ich habe mich köstlich amüsiert.
        Danke , Paul Toni.

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      2. Liebe Bloggerin,

        das ist ja ein wundervolles Kompliment. Wer beim Lesen meiner kleinen
        Reiseberichte in die Welt, in die Vorstellung, in den Kopf und in das
        Herz Gefahr läuft, vom Stuhl zu fallen, rückt in die erste Reihe mei-
        ner Lieblingsleser und Lieblingsleserinnen auf! Ich danke Dir sehr!

        Bleib mir gewogen, sei mein Botschafter und komm wieder. Ich freu mich
        auf Dich!

        Schönes Wochenende
        Dein Paul

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  2. Man taucht einfach in deine Situation hinein, Paul! Ich selbst kann mich mit deiner Person identifizieren und verstehe dich! Echt klasse!
    Unterhaltsamer, realitätsnaher und mitreißender Bericht, der innerer Monolog und äußerer Dialog perfekt miteinander verbindet.
    Die Regieanweisungen in Klammern lockern das Ganze auf und helfen dabei sich die Situation bildlich vor dem eigenen Auge vorzustellen und mitzuerleben.
    Dein toller Stil und deine Sprache ergänzen sich mit einer super Story aus dem Alltag, einer Momentaufnahme aus dem Leben eines Durchschnittsbürgers.

    Weiter so! Und viel Glück für deine Schreiber-Zukunft!

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    1. Lieber Frosch, wobei mir der Kommentar absolut auf Augenhöhe begegnet! Von wegen Froschperspektive! Danke, dass Du die Verbindung der Monologe so erkennen magst! Klasse! Und die Fortsetzungen lassen nicht lange auf sich warten. Komm wieder und bis bald Dein Paul – und Danke für die guten Wünsche

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  3. Allerdings! Haben wir doch alle – seit Kindesbeinen an – diesen inneren Kritiker, der Besserwisser – der uns vor allen Dingen eines will: uns schützen! Wenn wir ihm Gehör geben, kann er sich entspannen und damit wir uns – also „ich mich“ und so bleibe ich in der Handlungsfähigkeit. Paul ist da schon ganz gut unterwegs finde ich, und wenn er seinem inneren Kritiker noch liebevoller begegnet, muss er auch künftig nicht mehr die Parkkarte in die Pfeifenmappe und die Pfeifenmappe auf den Stuhl legen – um am Ende nichts von all dem in seinen Händen zu haben (außer dem Stuhl vielleicht – mit dem er aber nicht weiterkommt)…
    WUNDERVOLL!!!

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    1. Lieber Blogger,
      das mit den weltklassigen Strategien ist halt so eine Sache.
      Sie sind verflixt, verhext, vermaledeit!
      Warum?
      Ganz einfach: Ohne sie zu leben, heißt in unserer Welt, trügerische
      Sicherheit und die vermeintliche Kontrolle aus der Hand zu geben.
      Sie aber in das Leben einzubeziehen, öffnet gerade dem Unerwünschten,
      dem Ungewollten und – ganz schlicht und allzu oft – dem Gegenteil
      der Absichten weltklassiger Strategien Tür und Tor.
      Ganz nach dem magischen Motto:
      „Schützt Du Dich mit aller Macht, ziehst Du machtvoll an,
      wovor Dich zu schützen, Du am Ende machtlos bist!“

      Ein Leben, in dem Wunsch und Wirklichkeit nicht immer Hand in Hand
      gehen. Das kommt uns allen bekannt vor. Allerdings darf jeder in
      seinen inneren Dialog gehen, um für sich herauszufinden, wie viel
      Hasardeur oder wie viel hausbackene Gesinnung in ihm wohnt.
      Viel Spaß dabei…
      Danke für das „WUNDERVOLL“ und das Weiterspinnen eines Gedankens,
      den zu denken, es sich für mich immer wieder lohnt!
      Dein Paul

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  4. Paul Stein finde ich sehr gelungen.Du hast eine wunderbare Art den inneren Dialog mit dem äußeren zum verbinden und das gepaart mit einer sehr aufmerksamen Wahrnehmung des Gegenüber und zur Umgebung des Moments. Die Spannung bleibt dadurch erhalten und die Freude am Lesen bleibt bis zum Schluss.

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    1. Lieber Blogger, der innere Dialog ist ein starker und ständiger Begleiter.
      Für mich!
      Er kann es für uns alle sein…
      Lassen wir ihn doch gewähren, schenken wir ihm Gehör, geben wir ihm Geleit.
      Was haben wir schon zu verlieren?
      Wir hören nicht immer hin, hören uns nicht immer zu.
      Überhören uns selbst.
      Übertönen unseren inneren Ratgeber.
      Mit dem herzbetäubenden Lärm des Außen.
      Überlagern die uns innewohmemde Weisheit.
      Mit trügerischen Bildern einer Welt, die uns nicht kennt.
      Übertünchen unsere ehrliche Haut, mit einer Farbe der Saison.
      Übersehen uns im Wirrwarr der Götter eines Nachbarn.
      Danke, lieber Blogger, für diesen tief gehenden Gedanken zum neuen Jahr.
      Alles Gute für 2015!
      Dein Paul

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  5. Hallo Paul,

    Du hast mein volles Mitgefühl. Irgendwie steckt in uns allen so ein Paul.
    Sehr schöne Geschichte.

    Bin gespannt auf die Fortsetzung.

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    1. Lieber Blogger, das ist nicht das erste Mal, dass ich das lese oder höre. Da muss etwas Wahres dran sein. Schreib mir ruhig, wann Du Dich wie Paul gefühlt hast. Geteiltes Leid, ist halbes Leid. Dein Paul

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  6. Lieber Paul,
    als eindimensionaler Sprachdilettant folge ich gerne deinen Reisberichten, die etwaige Schönheit kann ich aber leider nur erahnen (ich erinnere 1D statt 3D).
    Bemerkenswerter Weise bist du aber auf einem erstaunlichem publizistischem Wege – ein Blog!!! -, das ist gerade so, als wäre Goethe auf seinen Reisen von der Pferdekutsche, auf einen noch nicht erfundenen Sportwagen aus Zuffenhausen umgestiegen!
    Gerne mehr – Manfred

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    1. Lieber Blogger, vielen Dank für das „gerne mehr“! Heute geht es mit dem 2. Reisebericht weiter. Bleib mir treu, folge mir, fiebre mit und komm am 1.1.15 wieder! Dein Paul

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  7. Lieber Paul,
    glücklicherweise gehöre ich in den Kreis der Auserwählten, die schon einige deiner Geschichten lesen durften. Es ist immer wieder eine Freude.
    Ich bin schon gespannt auf den nächsten Reisebericht.
    Danke!

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    1. Liebe Bloggerin, dass Du Dich auserwählt fühlst, lässt mich sehr glücklich sein. Es gibt für einen Menschen kaum etwas Schöneres, als ein Gegenüber zu finden, das annehmen mag, was man selbst im Überfluss und von Herzen zu geben; also wenn Unerschöpfliches seinen Grund findet! Danke für diesen schönen Gedanken! Dein Paul

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  8. Lieber Paul, danke für deine Geschichten des wahren Lebens. Ich hatte schon ein paar Mal das Glück über eine Kollegin in den Genuss deiner Geschichten zu kommen und musste mich oft zurückhalten nicht laut loszulachen im Großraumbüro. Ich freu mich schon auf weitere!
    Danke!

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    1. Lieber Blogger, vielen Dank für die offene Freude, die Du empfinden kannst, wenn Du meine Abenteuer liest.
      Ich denke übrigens nicht, dass es gerade in einem Großraumbüro eine ahndungswürdige Verfehlung wäre,
      seiner Freude lachenderweise Ausdruck zu verleihen.
      Versuch’s mal! Ich denke, dass sich viele Menschen mit Dir freuen wollen und werden…
      Dein Paul

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  9. Lieber Paul,
    wie ein Blick in den Spiegel einer traumgeschwängerten Nacht, aus der man erwacht im ersten Unwissen ob erlebt oder geträumt, aber real genug, dass der Schweiß das Nachthemd auf den Rücken klebt. Mögen wir alle am 4.Advent erleichert und beglückt erwachen.

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    1. Lieber Blogger, davon darfst Du jetzt schon ausgehen, denn das Geschenk zum 4. Advent soll nicht Angst, Tränen oder Schweiß sein, sondern die pure Freude am Glück!
      Auf keinen Fall mehr, aber garantiert auch nicht weniger. Dein Paul

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  10. Lieber Paul,
    herzlichen Dank für dieses wunderbare Leseerlebnis. Die vor-weihnachtlicher Hektik konnte mich nicht davon abhalten, diese witzige und in jeder Facette bildlich einprägsame Geschichte weiter zu lesen. Nachdem ich aus dem Zug ausgestiegen bin, habe ich mich sehr gefreut, dass es bei uns auf dem Sofa viel friedlicher zugeht. Ich bin schon sehr auf den vierten Teil der Tetralogie gespannt. Ein begeisterter, neudeutscher Follower.

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    1. Lieber Blogger, vielen Dank, dass Du Dich hast ablenken lassen. Wie schön!
      Den 2. Blick zu wagen, ist nicht immer einfach, aber gerade in der Vorweih-
      nacht ein lohnenswerter Zeitvertreib.
      Doch Achtung: Am 4. Advent wird es einfach nur ein weiteres Reiseerlebnis
      geben. Von Polizeikontrollen und Zügen habe ich erst einmal genug. Du nicht?
      Dein Paul

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  11. Spannend, spannend, wie geht die Geschichte aus? Und lernt Paul etwas fürs Leben? Das erfahren wir hoffentlich in weiteren, heiteren Erzählungen über Pauls Reisen…

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  12. Lieber Paul,

    Friedrich Schiller hört sicher die Glocken läuten, bei dieser Sprachgewandtheit! Faszinierend wie lebendig Deine Erlebnisse beschrieben sind. Diese Bildersprache ist großartig und belebend! Danke für diese Bereicherung!! Ich freue mich auf mehr!! 🙂

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    1. Lieber Blogger, ob Schiller noch etwas hört, weiß ich nicht,
      aber ich höre momentan nur die Alarmglocken schrillen…
      Ich muss auf diesen Zug.
      Und apropos: „Die Glocke“ könnte ich mal wieder lesen.
      Danke und bleib mir gewogen. Dein Paul

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      1. Glocke geht schnell:
        „Loch in Erde,
        Bronze ‚rin,
        Glocke fertig: „bim bim bim!“
        …was für eine erwartungsvolle Vorfreude! Morgen ist ja schon der dritte Advent!

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      2. Lieber Blogger, noch eine knappe Stunde dann kommt der 3. Teil!
        Über „bim bim bim“ sollten wir allerdings noch mal schreiben:
        Ich habe das Gefühl, dass bestes deutsches Dichtgut bei Dir
        etwas verkürzt angekommen ist :-).
        Dein Paul

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  13. Lieber Paul,
    was für ein Stress und das auch noch zur Vorweihnachtszeit.

    Spannung, Spaß und ( Wort)spiel vorhanden – Freude beim Lesen- was braucht’s mehr?
    Danke Dir ich glaub feste an 2 Dinge:

    1. du schaffst den Zug
    2. Die Buchhändlerin wird schon bald das Buch aus dem Regal holen!

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  14. Armer Paul,
    man kann mitfühlen, wie der Puls steigt und der Hals dicker wird. Manchmal wäre es besser einfach die Klappe zu halten. Aber jetzt möchte ich schon wissen ob Paul den Zug noch erreicht oder nicht. Bin gespannt auf kommenden Sonntag.

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    1. Lieber Blogger, Du hast so recht! Ich hätte schon oft die Kappe halten sollen!

      Aber kennst Du die Fabel vom Frosch und dem Skorpion? Nein? Hier ganz kurz:
      An einem Flussufer…
      Skorpion: “Frosch, nimm mich mit zum anderen Ufer. Ich kann nicht schwimmen.”
      Frosch: “Auf keinen Fall. Dein Stachel ist tödlich.“
      Skorpion: “Warum sollte ich Dich stechen? Dann sterbe ich auch.“
      Frosch: „Das leuchtet ein.“
      In der Mitte des Flusses: Der Skorpion sticht den Frosch.
      Frosch: “Warum hast du das getan. Jetzt sterben wir beide“
      Skorpion: “Das ist meine Natur!”

      Dein Paul

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  15. Lieber Paul,
    nachdem ich dich angesichts der Unwägbarkeiten des Lebens gedanklich erstmal fest in den Arm genommen habe, hoffe ich, das noch ganz oft tun zu können und freue mich darauf, dich noch häufig auf deinen Reisen jeglicher Art begleiten und mit dir den zweiten Blick werfen zu können.
    Danke für das schöne Leseerlebnis !

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  16. Lieber Paul,
    vielen Dank für diesen interessanten und unterhaltsamen Einblick in dein „Reiseleben“. Wer einmal verreist ist (und wer ist das eigentlich nicht), der kann mit Ihnen mitfühlen und das in jeder Sekunde. Ich hoffe also, dass im dritten Teil alles gut wird – auch wenn sich mir gehörige Zweifel aufdrängen. Vielleicht hat es die nette pferdeschwanztragende Polizistin ja zum Bahnsteig geschafft und kontrolliert nun noch einmal? Wir werden es sehen… ich freue mich jedenfalls auf die Fortsetzung!
    Ein begeisteter Leser!

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    1. Lieber Blogger, ich freue mich sehr, dass Du mitfühlst und Dich wiederfindest. Ich kann Dir verraten, dass der dritte Teil nicht vorhersehbar ist. So wie das wahre Leben unvorhersehbar ist. Am 3. Advent wirst Du staunen. Dein Paul

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  17. vielen Dank für die ersten Teile dieser Geschichte. Es fühlt sich einfach an, als sitzt man selber am Steuer und wird von den beiden netten Personen aufgehalten.
    Ich bin gespannt, was sich dem Herrn Stein noch alles in den Weg stellt, bis er seine Reise bestanden hat.
    Tolles Nachmittagserlebnis heute, danke

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    1. Lieber Blogger, wie schön, dass Du mitfiebern kannst. Diese Geschichte schreibt, wie alle anderen auch, das Leben. Alles ist real und das ist das ehrlichste, was uns das Leben zu bieten hat! Bleib dran Dein Paul

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  18. Lieber Herr Beer, Gratulation und Daumendrücken und Danke für lustige Erhellung eines grauen Vorweihnachtstag. Freue mich auf die Fortsetzung. Liebe Grüße und Wünsche von Kim H. Kimm

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    1. Liebe Frau Kimm, freut mich, dass Sie in dieser trüben Zeit in dieses Gemeinde gefunden haben. Bleiben Sie bei mir und empfehlen Sie mich fleißig weiter :-)! Ihr Paul

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Kommentare sind geschlossen.