Aus dem Unterholz der Dummheit – Kapitel 2 (Teil 4)

…der nächste Schritt:

Liebe Leserinnen und Leser,

vorneweg:
Um den folgenden Unfug besser zu verstehen und verdauen zu können, sei das „Traktat zum Denken – in drei Grundregeln“ unter dem Reiter „Versatzstücke“ wärmstens empfohlen!

Erweitern Sie jetzt Ihre Ausrüstung mit

  • einem Rauchmelder für den Fall verbaler Dreckschleudern im Nahfeld,
  • einigen weißen Ginseng-Wurzeln zur Kräftigung Ihres mentalen Immunsystems sowie
  • einem Mundschutz – man weiß ja nie.

Es folgt nun:

Aus dem Unterholz der Dummheit – Kapitel 2 (dritte Fortsetzung)

…ich trete aus der letzten Reihe nach links.

„Sehr große Scheiße?“

Der Kampf ist entschieden. Mein Innenleben ist mit einem Schlag stumm! Als hätte man mir den Stecker gezogen. Meine Zivilcourage, diese verfluchte Verräterin, ist untergetaucht. Verschwunden! Weg! Wie vom Kasernenboden verschluckt. War der Schritt nach links – aus dem Verbund meiner Kameraden – noch ein letzter Nachhall eines dröhnenden Hirnfurzes, einer unnötigen inneren Aufwiegelung, so ist der erste Schritt nach vorne eine Drangsal heimtückischen Unfriedens, den ich nicht stiften wollte, aber mit meinem rechten Arm heraufbeschworen habe.

„Was läuft hier? Bin ich von allen guten Geistern verlassen?“

Gleich starren mir 200 Augenpaare in den Rücken. Vor meinem inneren Auge sehe ich Brubelt, Brom und alle anderen:
spottend, sabbernd, feixend.

„Ich muss verrückt sein!“

Meine Stubenkameraden sehen mich von der Seite an. Sie haben mich schon abgeschrieben. Ein geistiger Klingelbeutel fängt an, zwischen ihnen die Runde zu machen. Sie sammeln für meine Beerdigung. Für meinen letzten Gang – auf dem „Friedhof des bekannten, aber bescheuerten Soldaten“.

Ich: „Was werden Sie auf meinen Sarg schreiben?“
Ich: „Der Helm war sein Schicksal!“
Ich: „Du bist fies!“
Ich: „Der junge Mann und der Helm, vielleicht?“
Ich: „Hör auf! Kannst Du nichts Produktives?“
Ich: „Scheiße ist Scheiße und bleibt Scheiße!“
Ich: „Junge, wir stecken in der Klemme! Jetzt heißt es, clever sein!“

Eine Hand packt ungestüm meinen rechten Unterarm.

Christian (zieht mich ein Stück zu sich, wispert): „Was hast Du vor?“

Ich (höre mich selbst erstaunlich ruhig): „Lass mich mal machen!“

Christian (zischt nur): „Sag ihm, ich war’s!“

Ich (staune über die Gelassenheit in meiner Stimme): „Quatsch! – Und jetzt lass mich los. Du brichst mir ja den Arm!“

Zwei Schritte weiter öffnet der erleuchtete Kasernenhof seine angsteinflößende Weite. So muss es sich vor 1000 Jahren angefühlt haben, wenn man zum Schafott geführt oder vom Scharfrichter erwartet wurde. Nur grölt hier keiner.

Nach weiteren fünf Schritten konzentriere ich mich auf meine Drehung um 90 Grad. Wie von Geisterhand geht der innere Dialog weiter.

Ich: „Klasse, mein Lieber! Jetzt haben wir den Salat!“
Ich: „Ich konnte nichts dafür! Und jetzt konzentrier dich. Ich sagte, dass wir clever sein müssen!“
Ich: „Wer hat denn den Arm gehoben?“
Ich: „Ich war’s nicht. Ich kann mich auf jeden Fall nicht erinnern!“
Ich: „Willst Du das dem Müller sagen?“
Ich: „Keine Ahnung! Hast Du eine Idee?“
Ich: „Ist doch super, sag ihm genau das!“
Ich: „Was soll ich ihm sagen?“
Ich: „Na, dass Du‘s nicht mehr weißt, warum Du den Arm gehoben hast!“
Ich: „Wie bitte?“
Ich: „Sag ihm einfach, dass Du innere Stimmen hörst und zum Arzt musst!“
Ich: „Und dann ab in die Klapse, oder was?“
Ich: „Immer noch besser, als Christian zu verpetzen!“
Ich: „Fällt Dir nichts Besseres ein?“
Ich: „Du hast Dich da reingeritten, jetzt schau zu, wie Du da wieder rauskommst!“
Ich: „Na klasse! Jetzt lässt du mich auch noch hängen!“

Pause.

Ich: „Ich hab eine Idee!“

Sollte Ihnen der Ausdruck mit den weichen Knien geläufig sein, dürfen Sie diesen für meinen Gang vor der Kompanie getrost auf dem Schuttplatz der harmlosen Untertreibungen entsorgen. Ein Wunder, dass sich meine Beine noch in eine Richtung bewegen. Ich gehe auf Spaghetti al dente.

„Gleich rolle ich mich auf meinem Lebenslöffel ein, gedreht von der Mistgabel aus dem Unterholz der Dummheit!“

Ich: „Den Löffel gebe ich dann beim Allerhöchsten ab.“
Ich: „Der will ihn aber nicht haben! Vollidioten haben im Himmel keinen Zutritt!“
Ich: „Ich dachte, Du hättest eine Idee!“
Ich: „Hab ich auch! Und jetzt sei still und lass mich machen!“

Zwei Meter vor Müller bleibe ich stehen, nehme Grundstellung ein und hebe die Hand an meine Kopfbedeckung. Zweihundert Soldaten halten kollektiv den Atem an. Außer dem Blutrauschen in meinen Ohren ist nichts zu hören.

„Als bescheuerter Soldat geht man sogar selbstfüßig zu seinem Begräbnis.“

Ich (laut und langsam): „Schütze Stein meldet sich wie befohlen!“

Müller (dreht sich zu mir, grüßt ordentlich zurück, wippt auf seinen Fußballen – in meine Richtung): „Warum haben Sie sich gemeldet, Schütze Stein?“

Ich (stehe noch in Grundstellung): „Ich bin verwirrt, Herr Hauptfeldwebel!“

Der Klingelbeutel erhöht seine Geschwindigkeit.

Müller (ein unsicheres Zucken am rechten Mundwinkel): „Wem gehört dieser Helm, Schütze?“

Er hält den Metallhelm genau zwischen uns. Er baumelt an seiner ausgestreckten rechten Hand, als hätte er eine fette Ratte an ihrem Schwanz gefangen.

Ich (überhöre seine Frage, wie er meine Verwirrung ignoriert): „Sie sagten, dass Alarm Leben retten würde, Herr Hauptfeldwebel!“

Müller (ein zweites Zucken, aber er fletscht angriffslustig die Zähne, eindringlich): „Beantworten Sie die Frage, Soldat!“

„Jetzt heißt es hart bleiben.“

Der Helm baumelt immer noch. Links, rechts, links, rechts!

„Will er mich hypnotisieren?“

Ich (versteinere mich innerlich, einen Hauch zittrig): „Hauptfeld, Sie sagten, dass Alarm zu ignorieren, Leben töten würde.“

„Gleich platze ich! Das ist die Spitze dessen, was ein gemeiner Soldat leisten kann.“

Der Klingelbeutel beschleunigt weiter. Größere Münzen werden eingeworfen. Man erkennt sie an ihrem Klang, wenn sie fallen! Jede Faser in mir ist bis zum Zerreißen gespannt.

„Wenn er jetzt nicht nachgibt, knicke ich ein!“

Müller (ein drittes Zucken, erhöht gereizter Unterton, sein Geduldsfaden reißt in Millisekunden): „Uuuund?“

„Das ist die einzige Chance, die ich kriege.“

Ich (mit der letzten Kraft, nicht die Fassung zu verlieren): „Warum haben die wachhabenden Unteroffiziere bei der Alarmübung heute Morgen das Licht angemacht, Hauptfeld?“

Die Frage streift den baumelnden Helm, zischt an Müllers Ohren vorbei und verteilt sich in die Weiten des Kasernenhofs. Das Echo durchbricht in seiner Geschwindigkeit die gefühlte Schallmauer: ein kehliges Raunen. Aus 200 Hälsen! So schnell kann auch ein Kompaniefeldwebel nicht denken. Er senkt sichtlich überrascht den Helm. Sein Blick ist die pure Energie. Er zückt sein gedankliches Laserschwert.

„Ich habe mich gerade mit dem Einzelkämpfer aller Einzelkämpfer angelegt!“

Ich: „Wie bitte? Das war Deine Idee? Warum nimmst Du ihm nicht einfach den Helm ab, stellst ihn auf den Boden und pinkelst rein?“
Ich: „Sei still, sag ich!“
Ich: „Bist Du des Wahnsinns kesseste Beute?“
Ich: „Jetzt warte doch!“
Ich: „Der nimmt uns mit in seinen Jahresurlaub, schmeißt uns ohne Fallschirm aus dem Flieger und wirft uns irgendwelchen Eisbären zum Fraß vor! Am Polarkreis!“
Ich: „Macht er nicht!“

Der Klingelbeutel fliegt jetzt in Lichtgeschwindigkeit durch die Reihen. Keine Münzen mehr, nur noch Scheine!

Müller (gereizter geht nicht): „Wie bitte, Stein?“

„Ich muss einen Gegenpol setzen. Deeskalation! Bleib höflich!“

Ich (mit erzwungener Selbstverständlichkeit): „Alarm ist ein Zeichen bevorstehender Gefahr für Leib und Leben, Hauptfeld. Das haben wir in unserer Grundausbildung gelernt.“

Pause. Ich atme tief ein. Tödlichste Stille. Selbst die Strahler an der Gebäudewand haben ihr Netzbrummen eingestellt.

Ich (setze nach, mittelkreidig in der Stimme): „Der Feind sieht Licht bei Dunkelheit über große Entfernungen, und unsere Stubenfenster sind bei eingeschaltetem Licht – mit Verlaub – ein gutes Ziel, – Herr Hauptfeldwebel!“

Den „Hauptfeldwebel“ entlasse ich mit Verzögerung – halb als Frage, halb als Feststellung – aus meinem Mund. Der Klingelbeutel läuft über!

Ich: „Wir sind verloren! Der erschießt uns gleich hier. Auf der Stelle.“
Ich: „Halt die Klappe!“
Ich: „Der Militärrichter wird ihm sagen, dass er uns nicht mit dem ersten Schuss hätte hinrichten und in den Kopf schießen sollen. Ein, zwei Schüsse in die rechte oder linke Schulter vorneweg wäre verhältnismäßig und absolut gerechtfertigt gewesen.“
Ich: „Blödsinn! Du wirst schon sehen!“
Ich: „Ja, die Kugel vielleicht, wie sie aus dem Lauf kommt!“
Ich: „Merkst Du nicht, was in ihm vorgeht?“
Ich: „Was?“
Ich: „Er weiß, dass ich recht habe, und Müller ist gerecht!“

Es liegt eine ungläubige Atmosphäre in der Luft. Als hätte ein katholischer Priester die Kerzen beim Gottesdienst mit seiner Stola ausgewedelt oder er hätte die Monstranz damit geohrfeigt. Die Gemeinde weiß nicht, ob sie beschämt zu Boden blicken oder laut applaudieren soll.

Müller (atmet tief ein, eisern): „Schütze Stein, kommen Sie zu Dienstbeginn – um null siebenhundert in mein Büro! – Wegtreten, Soldat!“

Die Schallwellen seines Befehls schwingen zwischen uns wie in einer kommunizierenden Röhre. Er wird sich nicht sicher sein, ob er das wirklich gesagt hat. Und ich bin mir nicht sicher, ob ich mich nicht verhört habe.

„Hat diesen verdammten Befehl überhaupt jemand gehört?“

Ich (hebe unsicher die Hand an meine Kopfbedeckung): „Um null siebenhundert zu Dienstbeginn in Ihrem Büro, Herr Hauptfeldwebel.“

Pause. Müller erwidert den Gruß.

Ich (völlig von der Rolle): „Schütze Stein meldet sich ab!“

Ich mache eine 180-Grad-Wendung – streng nach Vorschrift – und setze den rechten Fuß vor.

Müller (ohne Vorwarnung): „Stein? – Nehmen Sie den Helm mit!“

Ich: „Was soll ich?“
Ich: „Du sollst Dich umdrehen und den Helm mitnehmen!“
Ich: „Und noch mal grüßen?“
Ich: „Nein, Du Idiot! Schnapp Dir den Helm und zieh Leine!“

Ich drehe mich um, schaue Müller nicht in die Augen. Der Helm baumelt wieder zwischen uns. Ein kurzer Griff, ein kurzes Nicken, eine weitere Kehrtwendung!

„Lauf, Junge!“

Beim ersten Schritt versagt meine Muskulatur um das rechte Knie herum den Dienst. Ich knicke leicht ein. Um nicht zu stürzen, ziehe ich das linke Bein schneller nach. Fast verfalle ich in Laufschritt.

Ich: „Ich fasse es nicht!“
Ich: „Langsam, Junge!“
Ich: „Hast Du das gesehen?“
Ich: „Ich war dabei!“
Ich: „Unglaublich!“
Ich: „Ich sagte Dir doch, dass ich eine Idee habe!“
Ich: „Das konntest Du unmöglich vorhersehen!“
Ich: „Ich hatte da so eine Ahnung.“
Ich: „Wahnsinn!“
Ich: „Jetzt krieg Dich wieder ein.“
Ich: „Das glaub ich doch nicht!“
Ich: „Lass Dir bloß nichts anmerken.“
Ich: „Warum nicht?“
Ich: „Solche Triumphe feiert man lieber im Stillen! Cool bleiben, lautet die Parole!“
Ich: „Hä?“
Ich: „Um null siebenhundert bei Müller im Büro! Schon vergessen?“

…und nächste Woche am 23.5. geht es weiter!

Euer Paul

PS: …dran bleiben und teilen! Alles Gute und viel Spaß…

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15 Kommentare zu „Aus dem Unterholz der Dummheit – Kapitel 2 (Teil 4)“

  1. Lieber Paul,

    Wie versprochen habe ich es nun doch geschafft noch „im Laufe dieser Woche“, hier vorbeizuschauen.

    Obwohl, „im Laufe dieser Woche“ war womöglich etwas zu optimistisch formuliert, da sich der Lauf dieser Woche ja nun letztlich doch schon wieder seinem Ende zuneigt.

    Doch nun mal zu „Aus dem Unterholz der Dummheit“.

    Also dieses schreckliche „Müllergewippe“ macht mich echt Seekrank. Die hätten den besser zur Marine schicken sollen. Andererseits lässt er sich wiederum äusserst gerne mit dem Fallschirm über hohen Bergen abwerfen, wodurch der „Fallschirmjägertrupp“ womöglich auch nicht unbedingt die schlechteste Wahl für ihn gewesen wäre, obgleich ich mir beim besten Willen nicht vorzustellen vermag, welch Anmut-verquere Figur dessen untersetzte Statur dabei abgegeben hätte. Ich meine „Feuerlöscher“, ja selbst die „Großen“ unter ihnen, sind ja nun doch wirklich ziemlich klein.
    Könnte mir allerdings gut vorstellen, das dieselben, aus fernen Höhen abgeworfen, dennoch beeindruckende Krater auf der allgegenwärtigen Muttererde hinterlassen könnten – besonders in gefülltem Zustand. Wer weiß, so ein explodierendes Schaumbad mag in den Augen so mancher Soldaten ja dann vielleicht sogar über mehr ästhetischen Charme verfügen, als Christian’s schaukelnder Helm zwischen den Fingern eines stetig vor sich hin wippenden Hauptmann’s, der auch noch die geschichtsträchtige Pein eines Namens zu tragen hat, dessen Vorfahren seine „minigliche“ Abstammung, von einst hart arbeitenden, schwitzenden kleinen „Müllersleuten“ zu Tage fördert.
    Doch wie auch immer, so schätze ich mal, das Ästhetik in den militärischen Unbilden hinter solch abgewrackten Mauern etwaiger Kasernen, wohl eher nicht so das wichtigste Thema darstellt. Allgegenwärtiger Intellekt (sofern ein solcher der „allgegenwärtigen Darstellung“ von der Welt und dessen Menschen darauf, überhaupt noch gerecht zu sein vermag), allerdings auch nicht. 😉

    Wie du an meinen Worten somit also unschwer zu erkennen vermagst: Ja auch ich bin schon mal sehr gespannt darauf, was „Schütze Stein“ um null siebenhundert in „Müller’s Büro“ da noch so zu erwarten hat. Ich hoffe nur, das er sich damit nicht sein vermutlich wohlverdientes Wochenende vertan hat. Wäre schade ihm dadurch nicht mehr bei einem seiner „nervenaufreibenden Wochenendeinkäufen“ „Aus dem Unterholz der Dummheit, Kapitel1“ beistehen zu können. 😉

    Ich mag auch seine inneren Dialoge, die ja geradezu den Herzblutrhythmus all seiner Gedanken, Erfahrungen, als auch Handlungen bestimmen, woraus resultierend er aber wiederum neue Ereignisse heraufbeschwört, die er eigentlich gar nicht zu „erfahren“ bzw. zu „erleben“ wünscht, zudem ihn diese zugleich ja dann doch wieder nur, im trügerischen Abglanz der Gesellschaft, von einem Stolpersteinchen, welches er in schlichter Eleganz leichtfüßig zu überspringen glaubte, direkt ins nächste Fettnäpfen schlittern lässt.

    Und so bleibt mir hier, ins besondere zu Schütze Steins „Zivilcourage“ gegenüber „Müller“, eigentlich nur noch zu sagen.
    „Jeder Mensch ist im Grunde feige, deshalb muss er manchmal tollkühn handelt, um zu seinem Mute zu finden“. 😉

    glg. Evelucas

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    1. Guten Morgen Eve,

      10000 Dank. In Worten: Zehntausend! Das ist schön, dass Du Dich so ausführlich
      mit Paul, seinen Erlebnissen, seinen Gedanken und auch mit seinen Leiden ausein-
      andersetzen magst!

      Derartige Einlassungen bringen mich innerlich zum Jubilieren und Frohlocken.

      Ich musste sehr schmunzeln, wie Du den einen oder anderen Gedanken aus Pauls
      Beschreibungen weiterentwickelt und immer wieder die humorvolle Seite zum
      Vorschein gebracht hast.

      Mir ist vollständig bis schmerzlich bewusst, dass man einige Zeit braucht,
      um sich in meinen Rhythmus einzu-„grooven“, aber Dir scheint das wirklich
      gelungen zu sein und auch dafür vielen Dank, Eve. Bei Deinem eigenen Rhyth-
      mus, wenn man Deine Zeilen liest, allerdings auch keine verwunderliche
      Kunst, denn das Drechseln von Sätzen – mit ein paar „kleinen“ Umwegen –
      scheint Dir größere Freude zu bereiten und so müssen Dir meine Kurzsätze
      ja schon fast langweilig vorkommen :-)!

      Und jetzt schöne Pfingsten Dein Paul

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  2. Lieber Paul,

    du nennst es einen „schrecklichen genetischen Defekt“, dass u.a. deine Zunge manchmal schneller ist als dein Kopf. Ich aber glaube, dass dich genau das zu den besonders liebenswerten Exemplaren unserer Spezies macht. Und davon gibt es Gott sei Dank noch mehr.
    Ein Gedanke, der sich mit Vehemenz die Freiheit sucht und findet, entsteht v.a. im Herz. Und diese „Herz-Hirn-Fürze“ dürfen/sollen/müssen „geboren“ werden; sie dürfen keinen manuellen Maulkorb erhalten. Nach dem Motto: Kontrolle ist gut, Vertrauen in die eigenen Herzensregungen viel besser. Sie machen uns zum Menschen- wie die „echten“ Fürze eben auch.
    Entscheidend ist, wie man mit der vermeintlichen Geruchsbelästigung umgeht. Wenn nämlich jemand kommt und sagt: „Hier riecht es aber unangenehm!“ oder gar „Hier stinkt es gewaltig!“ und den Zeigefinger schwingt und man dann antwortet: „Stimmt! Wie peinlich! Ich konnte es leider nicht verheben! Kommt nie wieder vor!“ oder seinen Hirn-Herz-Furz gar verleugnet, wird man seinem Mensch sein nicht gerecht. Wenn man aber antwortet: „Vielleicht riecht es ein bisschen streng, aber es duftet nur nach mir. Wenn dir das nicht gefällt, dann warte, bis der Duft verflogen ist oder geh ein Stück zur Seite oder halte deine Nase rein und entdecke den besonderen Duft meiner Fürze.“, dann sind wir Menschen. Hirn-Herz-Fürze werden ja nicht mit böser Absicht abgesondert, sondern aus einem ureigenen Bedürfnis. So können sie auf den ersten Schnüffler eine Geruchsbelästigung sein, auf den zweiten Riecher aber ganz sicher eine Chance, ein Herzensgeschenk.

    Also, lieber Paul, genetischer Defekt hin oder her, lass weiterhin deine Herz-Hirn-Fürze zu und vertraue darauf, dass es immer einen Menschen gibt, der – in ganz positivem Sinne- ein Näschen dafür hat.

    Wer weiß, vielleicht treffen wir ja einen solchen Menschen in der vierten Fortsetzung 🙂

    Alles Gute, Kiki

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    1. Liebe Kiki,

      solch ein unverkrampfter Umgang mit den neuzeitlicheren Tabus unseres
      Menschseins verdient Respekt, Dank und Lob!

      Ob sich in der Steinzeit jemand um solcherlei gekümmert hat? Ich weiß
      es nicht, aber mein Gefühl souffliert mir, dass der angeblich so zivi-
      lisierte Umgang mit sich selbst und anderen ein paar Blödheiten in die
      Welt gebracht hat, von deren Nutzen ich wohl nur schwer zu überzeugen
      sein werde. Und sei es nur die elende Verpackung um ein Chanel-Nr.5-
      Edel-Stinkerle!
      Grässlich genug, dass ich den Produktnamen auswändig schreiben kann!

      Ich bin mir auch nicht sicher, ob es wirklich ein Fortschritt ist, dass
      jetzt alle nach Hautcreme riechen und ich plötzlich alles attraktiv finde,
      was zwei Beine und gerade geduscht hat, obschon ich den wahren Menschen
      dahinter gar nicht riechen kann.

      So oder so, sei Dir meiner Huldigung ob Deines unverschämt offenen Umgangs
      mit der Abluft eines Menschen sicher.

      Dein Paul

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  3. Lieber Paul!
    Gefällt mir wieder sehr gut. Stein war sehr mutig, das ist mitreißend rübergebracht. Nur, er muss noch seine „Spaghettibeine“ ein bisschen besser unter Kontrolle bringen. Aber das lernt man ja mit der Zeit in einer Kaserne – auch in Friedenszeiten – Kontrolle. Oder?!
    Dennoch gut zu wissen, dass Soldaten (und Männer!) auch weiche Knie bekommen.
    Freu mich schon auf das nächste Mal!
    LG Hilde

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    1. Liebe Hilde,

      glaub bitte nicht alles, was Männer so über Männer sagen!

      Hier gibt es viel Wunschdenken, Geflunker und Alpha-Tierchen-Gesülze.
      In Wirklichkeit steckt in jedem Mann eben auch ein kleiner junge, der
      einfach Gehör und Aufmerksamkeit will.

      So er sie dann hat, werden ihm die Knie weich und er kneift.

      Dass ich in dem Moment vor dem Kasernengebäude nicht geknif-
      fen habe, ist nur einem schrecklichen genetischen Defekt zu-
      zuschreiben: Viele meiner mechanischen Bauelemente (incl.
      meiner Zunge) funktionieren deutlich schneller als mein Kopf,
      was immer wieder dazu führt, dass Situtionen um mich entstehen,
      die ich lieber vermieden hätte.

      Danke, dass Du mitfühlst und Dich auf ein Wiedersehen mit mir
      freust.

      Dein Paul

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  4. In der Bibel steht, an ihren Taten sollt ihr sie erkennen. Das gilt natürlich nur solange man keine Gedanken lesen kann. Bei Paul gelingt der Blick hinter die Stirn. Die inneren Dialoge von Paul sind so scharfsinnig wie unterhaltsam.

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    1. Lieber jw,

      das ist ein Kommentar, der nicht nur „hinter die Stirn“, sondern auch
      unter die Haut geht.
      Scharfsinnig und unterhaltsam sind – ohne je darüber nachgedacht zu
      haben – die beiden Attrbute, die ich mir für die Darstellung meiner
      Gedanken gewünscht hätte, wäre mir eine Wahl gegeben gewesen. Danke!

      Dein Paul

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  5. Raumgebende Vielfältigkeit in alltäglichen Situationen, durch in Wort gefasster Darstellung reichhaltigen Innenlebens

    Liebe Grüße Sylvia

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    1. Wenn in der Kürze die Würze wirklich und wahrhaftig stecken soll,
      dann ist Dein Kommentar, liebe Sylvia, ein schöner Beweis, dieser
      These.

      Vielen Dank für das knackige Lob.

      Teile und empfehle mich weiter, komm wieder und erlebe auch am
      nächsten Freitag die Vielfältigkeit der Dummheit vor allem im
      Unterholz derselben.

      Liebe Grüße und schönes Wochenende Dein Paul

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  6. Wir leben doch im Frieden. Frieden auf dem Kasernenhof. Frieden im Herzen der Soldaten und Vorgesetzten – ohne den Feind vor Augen natürlich. Schikanen gehören in die Zeit des dritten Reiches, oder in die Kaiserzeit, als der Tritt in den Hintern normal war, um einen Stiefel auszuziehen! Angst vor Konsequenzen, vor Strafe durch den Vorgesetzten? Für Zivilisten kaum vorstellbar! Also doch kein „Spielen wir Soldat“?
    Klasse dieser innere Dialog! Bin gespannt auf die Fortsetzung. P.R.

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    1. Natürlich leben wir im Frieden, lieber PR,

      aber bei genauerem Hinsehen örtlich und meist auch zeitlich begrenzt.

      Selbst wo wir den Frieden erahnen, ist der Stiefel im Arsch nicht weit.
      Und er treibt immer dann sein „Tritt-mich-Spielchen“, wo Menschen im
      Unterholz der Dummheit Ihre Macht missbrauchen.

      In Familien, in Gemeinderäten, auf dem Sportplatz, in Firmenhierarchien,
      an Pforten und auch an Grenzen – der Menschen selbst und mithin der In-
      telligenz. Ein Phänomen der alltäglichen Sorte.

      Schikanen haben nichts für Zeitzonen und auch nichts für Geschichte übrig.
      Sie sind immer dort, wo wir sind. Wir spielen vielleicht nicht Soldat,
      aber wir spielen „Ich-habe-Recht“ (jeden Tag) und unter der Lupe betrachtet
      handelt es sich dabei um eineiige Zwillinge.

      Danke für Dein Kompliment und schönes Wochenende
      Dein Paul

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  7. Spannend erzählt. Vor mir lief beim Lesen ein Film ab, eingebettet in die Erinnerungen an „meinen“ damaligen Kasernenhof. Herrlich, die Sache mit dem geistigen Klingelbeutel.

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    1. Lieber Al,

      immer dann, wenn Saiten in einem durch Worte zum Schwingen kommen,
      weiß man, was diese bewirken können.

      Und wenn es nur ein Klingelbeutelchen ist…

      Liebe Grüße und bald geht es weiter
      Paul

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